Was steckt hinter „No Poo“?

Kennst du den Trend #nopoo? Das bedeutet, dass man beim Haare waschen auf Shampoo verzichtet und entweder nur noch Wasser oder Alternativen wie Roggenmehl benutzt. Blogger*innen schwören auf die natürliche Methode, Hautärzt*innen betrachtet das Ganze eher nüchtern. Doch neben dem Wunsch nach gesünderen Haaren steht noch ein ganz anderer Aspekt im Vordergrund: der Schutz unserer Umwelt.

Bei Instagram finden sich unter dem Hashtag #nopoo inzwischen 130 Tausend Posts. Der Verzicht auf Shampoo scheint sich zu einer globalen Bewegung entwickelt zu haben. Vor allem Öko- und Zero-Waste-Blogger*innen dokumentieren auf den Social-Media-Plattformen ihre No-Poo-Erlebnisse.

Warum benutzen sie kein Shampoo mehr?

Die Bloggerin Shia erzählt auf ihrem Blog Wasteland Rebel, dass sie unter Neurodermitis leide und sich seit jeher mit Schuppen herumschlägt. Die gängigen Pflegeprodukte aus dem Drogeriemarkt reizten ihre Haut und auch die Anti-Schuppen-Shampoos blieben wirkungslos. Nachdem sie entdeckte, wie viele synthetische Chemikalien in den Produkten sind, verbannte sie diese schließlich aus ihrem Badezimmer. Shia benutzt seitdem Roggenmehl, um ihre Haare zu waschen, und berichtet, dass sie dadurch ihre Schuppen losgeworden ist und ihre Haare viel seltener nachfetten.

Auf dem YouTube-Kanal Soulful Empowerment berichtet Katharina von ihren Erfahrungen ohne Shampoo. Ein Grund für den Verzicht sah sie in der Entwicklung eines besseren Körpergefühls. Ohne fremde Mittel betrachtet sie nun ihren Haarzustand als Indikator für die eigene Gesundheit. Wenn sich ihre Haare zum Beispiel spröde anfühlen, weiß sie, dass sie in den letzten Tagen zu wenig getrunken hatte. Wenn der Ansatz fettiger als üblich ist, stellt sie ihre Ernährung um und verzichtet erstmal wieder auf Süßigkeiten und andere fettige Gerichte. Und auch die psychische Seite spiegelt sich im Gesundheitszustand ihrer Haare wider – nach stressigen Tagen machen die Haare bei ihr keinen gesunden Eindruck. Nach eineinhalb Jahren, in denen Katharina nur Wasser zum Haare waschen benutzt hatte, schwärmt sie davon, dass ihre Haare sich nun selbst regulieren und sich selbst von innen pflegen. Sie stinken nicht und werden auch nicht mehr so schnell fettig.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Erlebnisse von Shia und Katharina individuelle Erfahrungen sind, die nur zum Teil wissenschaftlich belegt wurden. In der PULS Reportage „No Poo Selbstversuch: Schönere Haare ohne Shampoo? Schönere Haut ohne Kosmetik?“ testet die Redakteurin Vanessa die Methode und holt sich Rat beim Hautarzt. Aus medizinischer Sicht überzeugt ihn „No Poo“ nicht. Er sagt, dass jeder Mensch eine gewisse Menge an Talgdrüsen auf der Kopfhaut hat, die Talg produzieren, egal ob shampooniert wird oder nicht.

Dem stimmt auch die Hautärztin Prof. Ulrike Blume-Peytavi zu. In der Berliner Morgenpost sagt sie: „Seit Jahren hält sich hartnäckig die These, dass die Kopfhaut mehr Talg produziert, je häufiger die Haare gewaschen werden.“ Doch es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die das belegen. Die Talgdrüsen funktionieren bei jedem Menschen anders – vom Haare waschen bleiben sie allerdings unbeeindruckt.

Aber was hat das jetzt mit unserer Umwelt zu tun?

Ein wichtiger Vorteil, der neben allen individuellen Erfahrungen heraussticht, ist der Verzicht auf Plastik und andere Kunststoffe. Man spart sich nicht nur die Plastikflasche, in der das Shampoo drin ist, sondern schont auch die Meere. Denn Shampoos enthalten flüssige Kunststoffe, die durch das Abwasser zu den lokalen Kläranalgen gelangen. Dort können sie aber nicht ausreichend herausgefiltert werden, sodass sie in unsere Gewässer gelangen. Die Kunststoffe sind nicht biologisch abbaubar und werden schließlich von Meerestieren aufgenommen.

Ein Problem dabei ist auch, dass für uns kaum ersichtlich ist, was genau in unserem Shampoo drinsteckt. Die flüssigen Kunststoffe verstecken sich hinter komplizierten, chemischen Namen. Die Rückseite der Flasche lässt uns also nur ratlos zurück.

Wie funktioniert „No Poo“?

Der Schutz unserer Umwelt hat dich überzeugt? Dann nur Mut, denn aller Anfang ist schwer! Katharina von Soulful Empowerment rät dazu, die Haare erstmal zehn Tage lang gar nicht zu waschen. Das kostet etwas Überwindung, zahlt sich laut ihr jedoch aus. Danach kann man etwa alle drei bis fünf Tage die Haare mit warmem Wasser waschen und den Kopf massieren und vor allem – viel bürsten! Denn durch das Bürsten verteilt sich der Talg vom Haaransatz bis in die Spitzen und dient als eine Art natürlicher Schutzfilm.

Die Alternativen zu konventionellem Shampoo klingen vielversprechend

Wen das zu viel Überweindung kostet, kann auch erstmal auf Alternativen zu Shampoo umsteigen. Die beliebteste ist hier Roggenmehl. Die Stärke darin nimmt Fett und Schmutz auf und wird mit dem Wasser einfach weggewaschen (wie das Roggenmehl-Shampoo genau funktioniert, könnt ihr hier anschauen). Bei Wasteland Rebel gibt es zu dieser Methode eine kleine Anleitung: Etwa zwei Esslöffel Roggenmehl 1150 bei schulterlangen Haaren mit Wasser verrühren, bis eine dünnflüssige Paste entsteht. (Achtung: Benutzt kein Vollkornmehl, das lässt sich nur sehr schwer ausspülen!)

Die Roggenmehl-Paste dann einfach auf die Kopfhaut auftragen und in das Haar einmassieren, kurz einwirken lassen und anschließend ausspülen. Viele Blogger*innen empfehlen, die Haare danach mit einer Apfelessig-Spülung auszuwaschen, die das Haar weicher macht. Dazu einfach ein bis zwei Esslöffel Apfelessig mit einem Liter kaltem Wasser mischen.

Weitere Tipps zu Shampoo-Alternativen wie Natron, Heilerde oder festen Seifenstücken, findest du hier. Und in diesem Einkaufsratgeber des BUND erfährst du, welches Shampoo welche Kunststoffe enthält.

Unser Fazit: Zu den gesundheitlichen Aspekten der No-Poo-Methode gibt es verschiedene Meinungen, da hilft nur – selbst ausprobieren! Was bei der Bewegung jedoch für uns alle im Vordergrund stehen sollte, ist der Beitrag zum Schutz der Umwelt. Und dafür kann sich jede*r von uns einsetzen, vielleicht ab jetzt mit Roggenmehl.

Bildquelle: unsplash.com Urheber: Element5 Digital

2 Comments
  • Sylvia Zwick
    Posted at 13:06h, 10 April Antworten

    Hhmm, ich bin auf Shampoo-Seife umgestiegen, für die, die vielleicht einen leichten Duft oder natürliche Kräuterzutaten bevorzugen. Ergebnis okay, nicht umwerfend. Die Haare fetten etwas schneller nach und sind weniger fluffig. Und die Apfelessig-Spülung habe ich noch nicht ausprobiert. Was das Haare waschen nur mit Wasser angeht, das scheint mir auch schlüssig, unser Hund wird nie shampooniert (im Gegensatz zu vielen anderen seiner Zeitgenossen), wird also höchstens mal bei Regen und beim Baden im See naß, seine Talgdrüsen sind im Gleichgewicht und er hat (vielleicht den individuellen genetischen) Vorteil, dass er kaum nach Hund riecht. Also wenn ich das auf den Menschen übertrage, könnte das funktionieren … So das war jetzt voll wissenschaftlich …

    • EineWeltBlaBla
      Posted at 10:38h, 11 April Antworten

      Ein interessanter Vergleich 😉 Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht, das klingt nach einem weiterhin spannenden Experiment!

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