Plastikverzicht – Gut für Mensch und Umwelt

Wer das Internet durchstöbert, gewinnt den Eindruck, dass die meisten Menschen inzwischen Wert darauf legen, Plastik zu vermeiden. Trotzdem geben wir heute ein paar alltagstaugliche Tipps. Falls irgendwo noch jemand übrig geblieben ist, der nach Anregung und Ermutigung zum Plastikverzicht sucht, wird er/sie hier fündig.

Warum kein Plastik? Die alte Leier

Plastik schadet Mensch und Natur, da es nicht biologisch abgebaut werden kann. Stattdessen zersetzt es sich durch Umwelteinflüsse in winzige Teile, sogenanntes „Mikroplastik“. Statistisch gesehen, landet pro Minute eine LKW-Ladung Plastikmüll im Meer. Die größten Mülldeponien der Welt befinden sich deswegen nicht auf dem Land, sondern unter Wasser. Natürlich schadet sich die Menschheit damit indirekt selbst, denn das Plastik findet sich früher oder später in unseren Nahrungsmitteln.

Aber auch ohne Umweg über andere Lebewesen findet der umweltschädliche Stoff seinen Weg in den menschlichen Körper. Unmittelbar gelangen Plastikteilchen durch Verpackungen, Plastikgefäße, Plastik-Küchenhelfer und Kosmetika in den Bauch und auf die Haut. Gerade in Kosmetikprodukten wird Mikroplastik häufig verwendet. Es ist also nicht nur ein Abfallprodukt, das beim Verschleiß von Plastikgegenständen anfällt, sondern wird auch zu industriellen Zwecken genutzt.

„Mikroplastik“ ist ein Sammelbegriff für alle Plastikteilchen, die kleiner sind als 5 mm. Hinter diesem Begriff verbirgt sich also eine Vielzahl von Teilchen verschiedenster Größe. Laut einem Bericht des GIT-Laborportals können sie, abhängig von ihrer Größe, in den Darm, den Blutkreislauf, das Gehirn und auch in den Körper eines Fötus gelangen.

Ende 2018 haben Forscher zum ersten mal Plastik in menschlichen Exkrementen nachgewiesen.

Gefährliche Mischung

Um Kunststoff die passende Form, Farbe und Konsistenz zu verleihen, werden weitere Zusätze beigefügt. Das können beispielsweise Weichmacher sein. Kunststoff ist also immer eine Mischung aus verschiedenen Chemikalien. Die Zusätze können ebenfalls gesundheitliche Risiken bergen. Einer der bekanntesten Weichmacher ist wohl Bisphenol A, kurz: BPA. Dieser Stoff hat eine hormonelle Wirkung, schadet somit dem Hormonsystem und kann Unfruchtbarkeit verursachen. Außerdem steht er im Verdacht, Leber- und Nierenschäden sowie Diabetes auszulösen.

Selbst Menschen, denen die Umwelt vollkommen egal ist, sparen Plastik. Aufgrund der gesundheitlichen Schäden, die man umgeht, ist reiner Egoismus eine ausreichende Motivation. Die folgenden Tipps sind nicht schwer umzusetzen, erfordern teilweise aber finanziellen Aufwand.

Shampoo:

Viele Shampoos enthalten Polyquaternium-7. Dieser Stoff sorgt dafür, dass die Haare glatt werden und somit leichter zu kämmen sind. Aufgrund seiner elektrischen Ladung legt sich das Polymer um jedes einzelne Haar, sodass eine Art Plastikfilm entsteht. Produkte, die Polyquaternium enthalten, können auch mit Acrylamid belastet sein. Dieser Stoff steht im Verdacht, Krebserkrankungen zu begünstigen.

Statt flüssigem Shampoo kann festes Shampoo, sogenannte Shampoo-Bars, verwendet werden. Sie gelten als ökologische Alternative und enthalten wenig bis gar kein Plastik. Natürlich muss auch hier auf die Liste der Inhaltsstoffe geachtet werden. Die meisten Hersteller versuchen, bei ihren Seifen auch auf andere ungesunde Stoffe wie Tenside, Parabene und Silikon zu verzichten. Ein weiterer Vorteil der Bars ist ihre Verpackung: Sie besteht meist aus Papier und ist somit umweltfreundlicher als eine Plastikflasche. Angeblich halten Shampoo-Bars auch länger als flüssiges Shampoo.

Zahnbürste:

Eine Plastikzahnbürste lässt sich leicht durch eine Bambuszahnbürste ersetzen, die in den meisten Drogerien erhältlich ist. Sie ist kompostierbar, sieht ästhetischer aus und die Plastikgefahr ist reduziert. Was die Borsten der Zahnbürste angeht, unterscheiden sich die Produkte. Einige Hersteller verwenden Tierborsten, da diese, im Gegensatz zum üblicherweise verwendeten Nylon, biologisch abbaubar sind. Der/die Kund*in muss einen Kompromiss zwischen Umweltschutz und Tierwohl finden.

Wattestäbchen:

Plastikwattestäbchen sind durch eine neue EU-Richtlinie ab 2021 sowieso verboten und nicht mehr erhältlich. Warum also nicht schon jetzt auf Bambus-Wattestäbchen umsteigen? Auf den ersten Blick schützt man die Umwelt dadurch mehr als die eigene Gesundheit. Aber Müll zu sparen, trägt dazu bei, das Ökosystem in einem Zustand zu erhalten, in dem der Mensch gesund leben kann. Indirekt schützt der/die Verbraucher*in also doch die eigene Gesundheit.

Küchenutensilien aus Holz und Metall:

Plastik-Küchenhelfer und Plastikfolien erleichtern das zubereiten und Frischhalten von Speisen. Allerdings bergen sie gesundheitliche Gefahren. Wer ausschließen möchte, dass Plastikpartikel in seine Nahrung gelangen, sollte auf Küchenhelfer aus Holz oder Metall zurückgreifen. Die Anschaffungskosten liegen dabei deutlich höher als bei Plastikware. Deswegen bietet es sich an, das Küchenequipment im Laufe der Zeit nach und nach auszutauschen. Schneidebretter, Siebe, Kochlöffel, Pfannenwender, Backformen…Eine große Investition, die sich auf lange Sicht auszahlt.

Wachstücher:

Eine Alternative zu Einweg-Frischhaltefolie aus Plastik sind Mehrweg-Wachstücher. Sie sind um ein Vielfaches teurer als Frischhaltefolie und leider nicht auf der Rolle, sondern nur in festen Größen erhältlich. Der hohe Preis wird durch die lange Verwendbarkeit kompensiert. Durch Handwärme können die Wachstücher in jede Form gebracht werden und eigenen sich somit sowohl für den Transport als auch für das Abdecken von Lebensmitteln.

Brotdose aus Holz oder Metall:

Brotdosen aus Holz oder Metall bieten eine sichere Alternative zu Plastikdosen, aus denen sich BPA oder andere Materialien lösen können. Bei Plastikdosen findet sich außerdem meist keine Kennzeichnung, auf welche Temperatur das Gefäß erhitzt werden darf. Solche Hinweise sind in der Regel nicht auf dem Produkt selbst zu finden, sondern auf der Verpackung, in der es erworben wurde. Aufgehoben wird sie selten.

Wiederbefüllbare Flaschen und Kaffeebecher:

Jede Menge Müll und gesundheitliche Schäden spart, wer eine wiederbefüllbare Flasche verwendet und Leitungswasser trinkt. Der ökologische Fußabdruck von PET-Flaschen ist sehr groß, da sowohl Herstellung als auch Transport und Entsorgung sehr viel Energie benötigen. Außerdem sind im Kunststoff hormonell wirksame Substanzen enthalten, die ins Getränk gelangen. Eine riesige Umweltbelastung sind auch Coffee-To-Go-Becher. Ein eigener wiederverwendbarer Becher ist schnell gekauft und hält ewig.

Tragetaschen aus Stoff:

Plastiktüten verschmutzen die Umwelt und sind in vielen Ländern bereits vollständig verboten. In Deutschland kosten sie inzwischen immerhin Geld. Das einfachste Mittel der Welt, um Plastik zu sparen, sind wohl Mehrwegtaschen. Muss nicht erläutert werden.

Unverpackte Nahrungsmittel:

Plastikfrei einzukaufen, ist gar nicht so einfach. Obst und Gemüse findet man lose, Joghurt und  Milch sind in Glasgefäßen erhältlich. Bei Fleisch und Käse wird es allerdings schon schwieriger. Um Plastikverpackungen zu umgehen, muss an Fleisch- bzw. Käsetheke eingekauft werden. Am besten bringt der/die Kund*in ein eigenes Gefäß mit, möglichst keins aus Plastik. Ob die Verkäufer*innen sich darauf einlassen, die Ware direkt in die Dose zu füllen, scheint von Markt zu Markt verschieden zu sein. Die Hygienevorschriften werden von den Angestellten unterschiedlich ausgelegt. Kaum zu vermeiden ist eine dünne Plastikfolie, die um Wurst und Käse gewickelt wird. Diesbezüglich sind die Hygiene-Bestimmungen scheinbar sehr deutlich.

Diese Liste ist bei weitem nicht vollständig und könnte ewig fortgesetzt werden. Trotzdem ist es wichtig, an irgendeiner Stelle mit dem Plastikverzicht anzufangen. Die genannten Möglichkeiten sind die offensichtlichsten, die uns spontan einfielen. Wenn ihr weitere Anregungen habt, könnt ihr sie gerne in die Kommentare schreiben.

Weitere Informationen über Plastik findest du hier.

No Comments

Post A Comment