13 Mai 2026 Sustainable Beauty – Wie nachhaltig ist unsere Kosmetik?
Googelt man nachhaltige Kosmetik, findet man erst einmal eine riesige Menge an Angeboten – von natürlichen Inhaltsstoffen bis zu Holzverpackungen oder Glasflaschen. Außerdem wiederverwendbare Wattepads, Wattestäbchen, Seifenblöcke, nachfüllbare Deosticks, zertifizierte Naturkosmetik.
Wie nachhaltig ist meine Creme?
Auch in der Drogerie gibt es immer mehr Produkte, die sich als nachhaltig bezeichnen. Clean Beauty, keine Tierversuche, keine Silikone, keine Aluminiumsalze, keine PFAS, (fast) ausschließlich Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs, die Verpackung ist aus Recycling-Material und soll bitte auch wieder recycelt werden… also außer der Deckel natürlich. Moment mal… Beim Deckel hört die Nachhaltigkeit schon auf? Wie nachhaltig ist denn nun der Rest von meinem „Hydro Collagen Boost Overnight Antiaging Jelly“? Und ab wann hat man sich eigentlich das Label „zertifizierte Naturkosmetik“ verdient? Ist das dann das Gleiche wie nachhaltige Kosmetik? Wie sieht es aus mit vegan? Und wer profitiert am Ende von meinem Versuch nachhaltiger zu leben?
Um bei diesem ganzen Wust aus Bezeichnungen, Werbeclaims und Fragen durchzublicken, starten wir mal damit, ein paar Begriffe klar zu machen:
Was ist nochmal nachhaltig?
Nachhaltigkeit: Das Wort kennen wir alle und nutzen es auch. Sicherlich wissen wir auch, was wir damit meinen. Trotzdem frischen wir das nochmal kurz auf: Greenpeace bezeichnet Nachhaltigkeit als „verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen, sodass die Lebensgrundlage künftiger Generationen gesichert wird“. Diese Definition stützen sie mit den drei Säulen der Nachhaltigkeit. Die ökologische Säule bezieht sich darauf, dass wir nicht mehr verbrauchen können als unsere Erde hergeben kann. Hier liegt der Fokus auf erneuerbaren Energien und dem Schutz der Meere und Wälder. Die ökonomische Nachhaltigkeit beschäftigt sich damit, dass wirtschaftliche Aktivität möglichst lange andauern kann. Verbrauchen wir also Rohstoffe schneller, als sie sich regenerieren, stoßen wir bald an die Grenzen des Handelns. Die dritte Säule, soziale Nachhaltigkeit, bezieht sich auf Menschen und Gesellschaft. Es soll für alle ein stabiles und friedliches Zusammenleben ermöglicht werden. Das kann durch Bildung, Gesundheit und Chancengleichheit erreicht werden.
Wollen wir unsere Kosmetik also tatsächlich als nachhaltig bezeichnen, darf sie keine Rohstoffe verwendet, die nur endlich vorhanden sind, aber ebenfalls keine Rohstoffe, die bereits wirtschaftlich übernutzt werden. Außerdem sollte sie die Gesellschaft nicht belasten. Dazu zählen zum Beispiel Kinderarbeit, schlechte Bezahlungen und Arbeitsbedingungen, aber auch langfristige gesundheitliche Gefahren durch Plastikverpackungen und Inhaltsstoffe.
Zertifiziert für was?
Marken, die „zertifizierte Naturkosmetik“ verkaufen, wollen oft ein besonders nachhaltiges Image haben. Schauen wir uns also mal an, wie dieses Label vergeben wird. Also LabelS. Es gibt nämlich gar nicht nur ein Label, das eine bestimmte Marke oder ein Produkt dazu berechtigt, sich zertifizierte Naturkosmetik zu nennen. Tatsächlich gibt es davon mehrere und die haben natürlich unterschiedliche Richtlinien. Da muss man dann genau wissen, an welche Richtlinien man sich beim Kauf gerne halten würde.

Die deutsche Verbraucherzentrale stellt die beiden Siegel vor, die hier am häufigsten verwendet werden, „COSMOS Natural“ oder „COSMOS Organic“ und „Natrue“. Die sind zwar anspruchsvoller als zum Beispiel die EU-Richtlinien für Kosmetik, trotzdem sind bestimmte chemische Stoffe zur Konservierung oder Farbstoffe erlaubt. Beide Siegel schließen Tierversuche und die Verwendung von Rohstoffen toter Tiere aus, erlauben jedoch die Verwendung tierisch hergestellter Stoffe wie Honig oder die Verwendung toter Insekten, wie bei Karminrot, das aus Läusen gewonnen wird.


Auch vegane, also ganz tierstoff- und tierversuchsfreie Kosmetik gibt es mittlerweile von vielen Herstellern. Hierfür gibt es das Vegan-Siegel der Vegan Society, welches jedoch nur wenig transparente Richtlinien hat. Ebenfalls recht prominent ist das „Leaping Bunny“-Label, bei dem sich das Unternehmen selbst dazu verpflichtet, weder fertige Produkte noch Inhaltsstoffe an Tieren zu testen, was auch immer wieder vom Unternehmen und seinen Lieferanten bestätigt werden muss.
Es gibt also noch nicht die eine Zertifizierung, die Kosmetik als tatsächlich nachhaltig auszeichnet. Die vielen verschiedenen Labels machen es einem nicht leicht, durchzublicken. Aber zu wissen, was die ganzen Bezeichnungen bedeuten, kann uns eine Hilfestellung geben.
Innovationen für nachhaltige Pflege
Es gibt einige Unternehmen, die mit innovativen Ideen versuchen, ihre Produkte nachhaltiger zu machen und damit Konsument*innen die Möglichkeit bieten, Kosmetik so nachhaltig wie möglich zu konsumieren.
Die Tierschutzorganisation PETA führt eine Liste, die zeigt, welche Produkte tatsächlich vegan und tierversuchsfrei sind und welche nicht. Auf dieser Liste können Konsument*innen einfach und schnell recherchieren, ob ihre Produkte an Tieren getestet wurden. Darauf stehen zum Beispiel auch die gesamten Produktpaletten der beiden bekannten Drogeriekosmetikmarken essence und catrice, die sogar eine ganz Make-up-Kollektion zusammen mit PETA entwickelten.
Einen weiteren Meilenstein in Sachen nachhaltiges Make-up liefert das Label „und Gretel“ aus Berlin. Hier kann man sogenannte „dekorative Naturkosmetik“ kaufen. Das bedeutet: Nicht nur Pflegeprodukte, sondern Make-up-Produkte von Foundation bis Mascara können aus rein natürlichen Inhaltsstoffen erworben werden. Alle Produkte tragen die höchste Zertifizierung im Bereich Nachhaltigkeit, sind häufig vegan. Zudem legt das Unternehmen großen Wert auf Produktperformance, sodass ihre Kosmetik auch im Profibereich verwendet werden kann.

Als Vorbild voran geht auch das kleine Unternehmen „Naturkosmetik München“, das als erstes Kosmetikunternehmen überhaupt ein richtiges Mehrweg-System für seine Flaschen entwickelte. Produktverpackungen, die man nachfüllen kann, gab es bereits, doch ein Kreislaufsystem, wie man es auch von Getränken kennt, in dem die Gefäße immer wieder neu befüllt werden können, war 2023 etwas ganz neues. Das Start-up aus München legt großen Wert auf nachhaltige, regionale Inhaltsstoffe und sucht ständig Wege, seinen Fußabdruck zu verkleinern.
Was also tun?
Man kann also festhalten: die „nachhaltige Kosmetik“ ohne Wenn und Aber gibt es noch nicht. Es braucht mutige Schritte, hinaus aus der konventionellen Komfort-Zone hin zu Produkten, die die Natur, ihre Ressourcen und den Menschen gleichermaßen respektieren. Dabei ist jeder bewusste Blick auf ein Etikett ein Schritt in die richtige Richtung und jede*r Unternehmer*in, die etwas bewirken will, ein Meilenstein, um im Wust der Produktbezeichnungen und Werbeversprechen auf ehrliche Nachhaltigkeit zu stoßen.
Bereits 2019 gab es einen Blogbeitrag über Naturkosmetik. Wollt ihr wissen, was sich seit dem getan hat? Klickt einfach hier!
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