Schokolade esse ich fast täglich!

Dies sagt der 26-jährige Architekturstudent Emmanuel aus Ruanda, der für das Projekt Grenzenlos an die Konrad-Zuse-Schule kommt, um dort mit Schülerinnen und Schülern aus der Fachoberschule zum Thema Kaffee und Schokolade zu arbeiten.

All dies geschieht in einwandfreiem Deutsch, denn der Afrikaner lebt und studiert inzwischen in Kaiserslautern, das für ihn so etwas wie eine zweite Heimat geworden ist.

So finden Schüler*innen und der Referent schnell zusammen und sie arbeiten gemeinsam zu Produktions- und Arbeitsbedingungen in Afrika und Südamerika. Sie erfahren Fakten zur Weiterverarbeitung und Vermarktung. Die Schülerinnen und Schüler können hier ihr Wissen aus ihren Schwerpunktfächern Wirtschaft und Verwaltung und Sozialwesen einbringen. Auch ihre Lehrerin Daniela Dietl, die diese Lernkooperation für ihre Klasse organisiert hat, zeigt sich beeindruckt.

Emmanuel ermöglicht den Schülerinnen und Schülern in verschiedene Rollen zu schlüpfen. So sind sie Kaffeebauern, Betreiber einer Rösterei bzw. Zwischenhändler. In diesen Rollen überlegen sie, was sie jeweils besser machen können. Sie erkennen schnell, dass Nachhaltigkeit oft genau dann an ihre Grenzen stößt, wenn wirtschaftliche Interessen verfolgt werden.

Grenzenlos-Referent Emmanuel mit zwei Schülern

Wer verdient wie viel bei der Schokoproduktion?

Dann wird die Wertschöpfungskette der Schokoladenproduktion von Anbau des Rohstoffs bis hin zum Verkauf des fertigen Produktes im europäischen Supermarkt in den Mittelpunkt des Workshops gestellt. Dabei stellen die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von Rollenkarten z. B. einen Holzfäller, einen Sojabauern, eine Marketingexpertin und eine Kassiererin, ihre jeweiligen Arbeitsbedingungen und ihr Gehaltsniveau vor. Schnell verstehen sie, welche Gehaltsunterschiede es gibt und so fällt es ihnen nicht schwer, die individuelle Zufriedenheit der Personen auf einer Skala einzutragen. Diese Skala zeigt es Schwarz auf Weiß: Während in Afrika, Asien und Südamerika unter schlechten Bedingungen die Produktion der Rohstoffe erfolgt, findet in Europa der gut bezahlte Anteil der anfallenden Arbeit im Produktionsprozess statt. Gemeinsam suchen die Schülerinnen und Schüler mit Emmanuel nach Problemlösungen. „Wir müssen als Konsumenten bewusster einkaufen“, bemerkt Sascha.

Schoki nur Fairtrade!

Damit auch die Sinneserfahrung nicht zu kurz kommt, gibt es Schokolade zum Probieren und Kaffee aus Ruanda zum Schnuppern. Von den Schülerinnen und Schülern nach seinem eigenen Konsumverhalten befragt, antwortet Emmanuel: „Ich kaufe Schokolade und Kaffee im Weltladen und achte auf faire Produktion und fairen Handel. Ich spreche auch meine Freunde darauf an.“

Eine Schülerin bei der Kaffee-Geruchsprobe

In der Abschlussrunde ist das Feedback einhellig positiv. Die fast 100 Minuten waren abwechslungsreich und lehrreich, die Pause fast vergessen. Eine Frage brennt aber Umutçan noch auf der Seele. „Wie kommst du mit dem deutschen Essen klar? Was isst du hier am liebsten?“ Emanuel lacht und meint „deutsche Wurst“.


Vielen Dank an Frau Stephanblome und Frau Dietl von der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld für diesen Gastbeitrag! Esst ihr auch fast täglich Schokolade? Oder trinkt Kaffee? Dann achtet doch auf das Fairtrade-Siegel, denn diese beiden Grundnahrungs-, äh, ich meine natürlich GENUSSmittel gehören zu den Produkten, die wir auf jeden Fall aus fairem Handel kaufen sollten.

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