Strand und Meer, Bild von Jared Rice auf Unsplash

Die Sand-Uhr tickt – warum wir Sand schützen müssen. Ein Beitrag zum Tag der Umwelt. Teil 1.

Heute, am 5. Juni, ist der internationale Tag der Umwelt. Vor genau 48 Jahren fand in Stockholm die erste Konferenz der Vereinten Nationen zum Umweltschutz statt. In Erinnerung daran wurde der „Tag der Umwelt“ geschaffen. Hier findet ihr spannende Online-Veranstaltungen des diesjährigen Aktionstages.

Auch wir möchten einen kleinen Beitrag zu diesem großen Tag leisten und stellen euch hier ein Thema vor, das essentiell für den Umweltschutz ist, auch wenn es einem in dem Zusammenhang nicht als erstes einfällt: Sand.

In diesem ersten Teil erklären wir euch, was für komplexe Folgen Sandabbau weltweit hat. Nächste Woche stellen wir euch dann Lösungsmöglichkeiten vor.


40 Milliarden Tonnen Sand werden weltweit pro Jahr abgebaut. Laut einem Artikel des Deutschlandfunks verbraucht die Menschheit derzeit doppelt so viel Sand, wie alle Flüsse dieser Erde an Nachschub liefern. Denn Flüsse transportieren gemächlich Gebirgsgestein Richtung Meer, das sich mit der Zeit abreibt und so zu Sand wird. Doch durch Staudämme und weitere Eingriffe des Menschen werden natürliche Flussläufe verändert, weshalb ein großer Teil des neu entstehenden Sandes gar nicht erst das Meer erreicht (Bayerischer Rundfunk, Zeit).

Wozu wird aber überhaupt so viel Sand gebraucht?

Verwendung von Sand

Auch wenn es dem bloßen Auge verborgen ist – in unzähligen Produkten steckt Sand.

  • Glas beispielsweise besteht zu 70% aus Sand.
  • Auch die Elektroindustrie benötigt Sand zum Fertigen vieler Produkte.
  • Einige Hygieneprodukte, wie beispielsweise Zahnpasta, enthalten ebenfalls den wertvollen Rohstoff.
  • Zudem wird in manchen Teilen der Welt Sand abgebaut, um Mineralien daraus zu filtern, wie Gold, Diamanten oder Zinn
  • Sand ist außerdem Bestandteil eines umstrittenen Verfahrens: Fracking.
  • Vor Allem aber nutzt die Bauindustrie Sand zur Herstellung von Beton. Dieser besteht zu 2/3 aus Sand und Kies.

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass Sand nicht gleich Sand ist. Wüstensand eignet sich beispielsweise nicht zur Betonherstellung, da seine Oberfläche zu glatt ist. Der meiste Sand, der in der Baubranche verwendet wird, stammt aus Flussläufen, von Küsten oder vom Meeresboden.

(Arte-Dokumentation, Vaillant)

Die größten Sandverbraucher

China steht an der weltweiten Spitze des Sandverbrauchs. Rund 60% der Sandnachfrage weltweit gehen von dort aus. Das entspricht mehr als der Nachfrage der USA im gesamten letzten Jahrhundert. Einer der größten Importeure: Der flächenmäßig deutlich kleinere Stadtstaat Singapur (Arte-Dokumentation). 1/5 seiner Fläche ist künstlich erschaffen (Vaillant).  Auch Dubai ist bekannt für seine künstlich geschaffenen Flächen. Das Ironische daran: Der größte Teil des Landes besteht aus Wüste. Doch Wüstensand ist nun mal ungeeignet zum Bauen.

Was haben nun diese drei Staaten gemeinsam? Die Antwort lautet: Sie bauen. Und zwar viel. Durch ihren rapiden Bevölkerungsanstieg wird zunächst Sand zum Bau neuer Häuser benötigt. Doch neue Häuser können nur gebaut werden, wenn genug Fläche zur Verfügung steht. Aus diesem Grund schaffen sie diese Fläche, indem sie vor ihren Küsten künstlich Sandbänke aufschütten, auf denen gebaut wird.

Wer exportiert Sand?

Paradoxerweise werden dafür die Küsten anderer Länder verkleinert. Exportweltmeister in gesamten Mengen an Sand sind die USA, gefolgt von den Niederlanden, Belgien und Australien (World Atlas). Aber auch weitere Länder des globalen Südens wie Indonesien, Malaysia, Kambodscha exportierten Sand, insbesondere nach Singapur. Dies hat erhebliche Folgen für die Länder.   

Bedrohung der Natur – und des Menschen

In Sulawesi beispielsweise werden laut der Stiftung Rettet den Regenwald e.V. bis zu 18 Millionen Tonnen Sand abgetragen, um neue Straßen zu schaffen. Dies zerstört die Küsten, an denen zuvor Bäume des Regenwaldes wuchsen und Tiere ihren Lebensraum hatten. Zudem schaffen die Straßen eine bessere Infrastruktur für den Transport von Palmöl, Tropenharz oder Erzen, deren An- und Abbau ebenfalls großen Schaden im Regenwald anrichten.

Auch die Lebensräume unter Wasser werden durch den Sandabbau beschädigt. Korallenriffe werden zerstört und Kleinstlebewesen sterben. Das löst eine Kettenreaktion aus, denn dadurch finden Fische weniger Nahrung, also verringern sich die Bestände. Und kleinere Bestände bedeutet für die Fischer vor Ort weniger Fischfang und damit weniger Einnahmen.

Durch Sandabbau werden Küsten kleiner. Dabei bilden eben diese vielerorts einen überlebenswichtigen Schutz für deren Bewohner menschlicher, tierischer und pflanzlicher Natur. Denn sie schützen das Festland gegen Umweltkatastrophen wie Tsunamis. Außerdem bieten sie einen natürlichen „Puffer“ gegen den durch den Klimawandel ansteigenden Meeresspiegel. Fällt dieser weg, so kann Salzwasser an Land gelangen und somit Landwirtschaft in der direkten Umgebung unmöglich machen. Im schlimmsten Falle kann auch das Grundwasser davon betroffen sein und salzhaltig werden.

Nicht zuletzt bleiben durch verlorene Küsten auch Touristen aus, welche besonders in kleineren Orten oft die einzige Einnahmequelle vieler Menschen sind.

Sogar geopolitische Konsequenzen ergeben sich durch Sandabbau vor den Küsten der Welt: In Indonesien ist beispielsweise die Insel Riau stark betroffen. Durch weiteren Abbau könnten zum einen Menschen ihre Heimat verlieren. Zum anderen aber würde so das Gebiet Indonesiens selbst kleiner, was wiederum die Fischereiquoten, die in einem Abkommen mit dem Nachbarstaat Singapur vereinbart wurden, verringern würde (Arte-Dokumentation). Plötzlich stellt sich also die Frage: Wem gehört denn dann dieses Meeresgebiet eigentlich?

Schon verrückt – manche Länder der Welt werden durch Sandabbau künstlich vergrößert, in anderen dagegen führt genau das zu einer Verkleinerung des Landes.

Illegaler Sandabbau

Die steigende Nachfrage nach Sand hat gleichzeitig weltweit zu einem Anstieg illegaler Sandförderung geführt. Einige Medien sprechen in dem Zusammenhang sogar von „Sandmafias“. So wird beispielsweise in Indien massiv Sand illegal abgebaut. Das ist unter anderem deshalb möglich, weil die Lizenzen dafür von den lokalen Ämtern vergeben werden – und sich dort immer wieder Menschen finden, die an dem Geschäft mitverdienen möchten. Aber auch ohne Förderlizenzen wird an vielen Stellen Sand aus dem Meer oder den Flüssen gewonnen und weiterverkauft. Für die Gewinnung selbst werden schließlich keine aufwändigen Materialien gebraucht. Neben Lastwagen lediglich Arbeitskräfte, die gegen einen Hungerlohn in verschmutzte Gewässer abtauchen, um sich so ihren Lebensunterhalt zu verdienen (Deutschlandfunkkultur).


Und wie geht’s weiter?

Sand ist also eine Ressource, die zwar unfassbar nützlich, aber auch stark gefährdet ist und deren Abbau umweltschädliche sowie soziale und politische Probleme mit sich bringt. Wie kann schon jetzt und auch in der Zukunft sichergestellt werden, dass beim Sandabbau nicht der „point of no return“ erreicht wird?

Nächste Woche stellen wir euch Antworten auf diese Frage vor. Habt ihr bis dahin vielleicht selbst schon Ideen? Dann kommentiert gerne diesen Beitrag. Bis nächste Woche, seid gespannt!

Hier geht’s zum zweiten Teil des Beitrags.

Das Beitragsbild stammt von Jared Rice auf Unsplash. 

2 Comments
  • Claraberenike
    Posted at 22:44h, 09 Juni Antworten

    Sehr spannender Artikel und super, dass die Quellen verlinkt sind! Ich freue mich aufs Lesen des zweiten Teils 🙂

    • EineWeltBlaBla
      Posted at 11:54h, 10 Juni Antworten

      Liebe Clara,

      das freut uns, dass dir der Beitrag gefallen hat! Und danke dir für dein Feedback zu den Quellenverlinkungen. Das werden wir wahrscheinlich in Zukunft so beibehalten 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Laura

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