Smart aber fair: Nachhaltige Handys

Besitzt ihr schon das neueste iPhone? Habt ihr es euch zu Weihnachten geleistet? Oder war es eins ohne Apfel auf der Rückseite? Spielt eigentlich keine Rolle, denn in beiden Fällen sind euch leider nachhaltigere und fairere Alternativen entgangen. Diese Produkte würden wir euch heute gerne vorstellen. Für den Fall, dass ihr euch fragt, was an eurem Handy nicht nachhaltig oder fair ist, beginnen wir mit einer Problembeschreibung. Aber nicht, dass ihr die Dinger dann wegwerft, um neue zu kaufen…. Genau da fängt das Problem nämlich an.

21 Monate – so lange nutzen die Deutschen ihr Smartphone im Schnitt, bevor sie sich ein neues kaufen. Kaufgründe gibt es viele. Vielleicht ist das alte Handy kaputt und die Reparatur wäre teurer als eine Neuanschaffung. Oder aber das alte Modell ist technisch überholt. Auch das öde Design, das keinen Gefallen mehr findet, kann ein Grund zum Neukauf sein.

Das alte Handy landet entweder in einer Schublade oder im Müll. Elektroschrott wird in großen Mengen illegal verkauft und landet beispielsweise in Ghana. Wie unsere Wegwerfmentalität das Leben der Menschen, die in den Mülldeponien arbeiten oder gar leben müssen, prägt, zeigte letztes Jahr eindrücklich der Kinofilm „Wecome to Sodom – Your Smartphone is already here“.

Unwürdig und schädlich

Handys tragen erheblich zu der wachsenden Menge Elektromüll bei, die jährlich anfällt. Doch auch schon vor ihrem Gebrauch sind sie eine Umweltbelastung. Für die Produktion müssen Rohstoffe abgebaut werden, die auf diesem Planeten nur begrenzt vorhanden sind. Dabei handelt es sich beispielsweise um Kobalt, Wolfram, Zinn, Tantal und Gold. Der Abbau dieser Rohstoffe findet überwiegend in afrikanischen Ländern statt.

Die Arbeitsbedingungen in den Minen dort sind schlecht, wenn nicht gar lebensgefährlich. Zum Auswaschen der Mineralien werden giftige Chemikalien eingesetzt, die ins Grundwasser gelangen, wodurch sie Mensch und Umwelt nachhaltig schaden. Darüber hinaus befinden sich die Minen oft in Konfliktregionen wie zum Beispiel der Demokratischen Republik Kongo. Der dort herrschende Bürgerkrieg wird von Warlords angefacht, die ihre Waffen durch Erträge aus solchen Minen finanzieren.

Die eigentliche Fertigung der Handys findet in China statt. Die menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse in den Fabriken dort sind kein Geheimnis und führten in der Vergangenheit schon häufig zu Schlagzeilen. Geringe Löhne, viel zu viele Wochenstunden, fehlende Krankenversicherung, keine Arbeitnehmervertretung etc. Die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Das fertige Handy wird schließlich exportiert und landet in unseren Märkten. Dort repräsentiert es für kurze Zeit den neuesten Stand der Technik, bis es nach kurzer Zeit von einem neueren, besseren Modell ersetzt wird.

Das Smartphone ist kein nachhaltiges oder faires Produkt, das sollte man bedenken, wenn man sich mal wieder ein neues zulegt. Obwohl die marktführenden Unternehmen große Umsätze verzeichnen, ändert sich an der Herstellungsweise wenig.

Fairphones und Shiftphones

Aus diesen Bedingungen heraus begann im Jahr 2013 das niederländische Start Up „Fairphone“ mit der Entwicklung eines nachhaltigen Handys. Ein Jahr später folgte das hessische Unternehmen „Shift“ mit einem ähnlichen Konzept. Die „Fairphones“ bzw. „Shiftphones“ unterscheiden sich grundlegend von anderen Produkten auf dem Markt.

1. Unterschied: Nachhaltige Bauweise

Die Produkte sind modular aufgebaut, das heißt, die Einzelteile können von den Besitzer*innen selbst ausgewechselt werden. Sie sind alle einzeln erhältlich. Auf diese Art und Weise muss nicht ein ganzes Smartphone entsorgt werden, bloß weil ein einzelnes Bauteil den Dienst versagt. Sollte ein Shiftphone kaputt oder nicht mehr erwünscht sein, kann es zurückgeben werden. In diesem Fall erhält der/die Kund*in eine kleine Pfandzahlung. Die in dem Handy verwendeten Module wandern zurück in den Produktionskreislauf. Auch die enthaltenen seltenen Rohstoffe werden nach Möglichkeit weiterverwendet. Die Firma Fairphone recycelt ihre Geräte ebenfalls auf diese Weise.

2. Unterschied: Fairness

Beide Unternehmen legen Wert auf Fairness in der Liefer- und Fertigungskette. Um soziale Standards bei Abbau und Verarbeitung von Rohstoffen gewährleisten zu können, arbeiten sie mit gemeinnützigen Initiativen vor Ort zusammen. Außerdem überprüfen sie die Lage regelmäßig persönlich. Die Fertigung der Geräte findet zwar ebenfalls in China statt. Allerdings wird die Zusammenarbeit mit Partnern durchgeführt, die nach den geforderten sozialen und ökologischen Standards produzieren. Auch dieser Teil der Fertigungskette wird regelmäßig geprüft.

Das Problem an der Sache ist, dass für ein Handy über 30 verschiedene Materialien benötigt werden. Teilweise müssen sie ohne Informationen über die Arbeitsbedingungen zugekauft werden. Sowohl „Fairphone“ als auch „Shift“ sind sich bewusst, dass es zurzeit noch nicht möglich ist, ein 100% faires und nachhaltiges Handy herzustellen. Sie versuchen derzeit, wenigstens 10 der über 30 Materialien aus nachhaltiger und fairer Quelle zu beziehen. Ihr Ziel ist es, den Anteil der fair abgebauten Rohstoffe im Laufe der Zeit immer weiter zu erhöhen.

Keine Konkurrenten

Die beiden Firmen betrachten sich als Verfechter der gleichen Ideale. Sie wollen gemeinsam darauf aufmerksam machen, dass es ökologischere und fairere Alternativen zu den üblichen Smartphones gibt. Es besteht laut ihren Angaben kein Wettbewerbsdenken zwischen ihnen.

Ein auffälliger Unterschied zwischen den beiden Firmen ist jedoch die Anzahl der verschiedenen, auf dem Markt erhältlichen Modelle. Der Hersteller „Fairphone“ hat nur ein Modell im Angebot. Das erscheint uns konsequent. Es gehört zur Idee der Nachhaltigkeit, nicht alle paar Monate ein neues, besseres Modell anzupreisen. „Shift“ erweitert seine Produktpalette schneller. Derzeit sind 4 Modelle erhältlich.

Teuer?

Der Preis fairer Produkte liegt bekanntlich etwas höher. „Shiftphones“ und „Fairphones“ sind definitiv keine Schnäppchen, aber unbezahlbar sind sie auch nicht. Wer sich für die technischen Daten der Handys interessiert, schaut am besten direkt auf der Seite der Hersteller nach.

Es ist aber nicht Sinn dieses Artikels, zum Kauf eines neuen Handys anzuregen. Am nachhaltigsten ist es, ein Handy zu benutzen, solange es irgendwie geht. Und wenn es kaputt ist: Dann vielleicht erst mal wieder das alte Ding aus der Schublade holen?

Weitere Informationen über kritischen Konsum findest du hier.

Bildquelle: ELEVATION transparent Urheber: Fairphone Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de (unbearbeitet)

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