Eine Stadt wird plastikfrei

An der Küste Cornwalls im Südwesten Großbritanniens gelegen glänzt die Kleinstadt Penzance mit Stränden und Felsküsten. Doch diese werden immer mehr zugemüllt – mit Plastikresten und Verpackungen, die angeschwemmt oder von Spaziergänger*innen zurückgelassen werden. Die Umweltaktivistin Rachel Yales startete daraufhin eine ehrgeizige Initiative: Penzance soll plastikfrei werden!

Rachel Yates wohnt selbst in der britischen Kleinstadt. Sie geht gerne an den Stränden spazieren, doch seit einer Weile nur noch mit einem Mülleimer. Der viele Abfall macht sie wütend. Das sei auch ein Symptom dafür, wie unsere Gesellschaft in den letzten Jahren aus dem Ruder gelaufen ist, sagt sie im Weltspiegel. Es werde zu achtlos konsumiert und miteinander umgegangen, worunter nun auch unsere Umwelt leide.

Umstieg auf Plastik-Alternativen

Die Aktivistin macht sich also auf und schaut sich in den Läden der Stadt um. Dort wimmelt es nur so von Einwegplastik: Plastikbecher, Plastikbesteck, Plastiktüten. Sie beginnt, die Shops über Alternativen zu informieren. Anstatt der Plastikstrohhalme könne auf Papierhalme umgestiegen werden. Einwegbesteck gibt es auch aus Holz oder Bambus und sogar für Einwegbecher gibt es eine kompostierbare Alternative.

Yates’ Einsatz scheint sich bezahlt zu machen. Ein Shop nach dem anderen ersetzt sein Einwegplastik durch Alternativen. Es sei eine wahre Bewegung entstanden, immer mehr Ladenbesitzer*innen wollen dabei sein. Das Besondere: Yates kreierte dafür ein Plastikfrei-Zertifikat, mit dem sich die bislang 30 Shops stolz an ihren Schaufenstern präsentieren. Das Zertifikat bedeutet jedoch nicht, dass der Laden komplett plastikfrei sein muss – in Yates’ Augen ist das noch eine zu große Herausforderung. Es gehe darum, dass kein Einwegplastik mehr benutzt werde und das ist schließlich schon ein großer Schritt in Richtung eines plastikfreien Alltags.

Die erste offizielle plastikfreie Stadt Großbritanniens

Inzwischen kämpft auch der Stadtrat Simon Reed an der Seite von Yates. Er sieht im Kampf gegen das Einwegplastik Vorteile für den Tourismus. Wenn weniger Müll an den Stränden herumliege, erfreue das natürlich die Tourist*innen. Und um sich den Läden in der Stadt anzuschließen, verzichtet das Stadtfest nun auch auf Plastikbecher. Reed setzte sich außerdem dafür ein, dass Penzance nun den Titel „erste offizielle plastikfreie Stadt Großbritanniens“ trägt. Der Verein „Surfers Against Sewage“ – Surfer*innen gegen Schmutzwasser – hatte die Idee für solch eine Auszeichnung.

Die Non-Profit-Organisation macht sich seit Längerem stark dafür, dass die Küsten Cornwalls sauberer werden. Sie ermutigen Gemeinden und Städte, auf Einwegplastik zu verzichten. Erfüllen sie die festgelegten Ziele zur Reduktion von Plastik, erhalten sie das Label „plastikfreie Stadt“. Das Projekt findet viel Anklang, inzwischen schmücken sich 330 Gemeinden mit der Auszeichnung.

Konsumverhalten verändern

Der Haken an der Auszeichnung ist jedoch, dass sie keinen absoluten Verzicht auf Plastik voraussetzt. Es gehe „nur“ um eine gewisse Reduktion von Einwegplastik. Für Rachel Yates und den Surf-Verein ist das jedoch bereits ein großes Ziel, das auch das Konsumverhalten der Einwohner*innen verändern soll. Sie sollen nämlich ebenso zum Umdenken gebracht werden, damit sie erkennen, dass es für unsere Umwelt besser ist, beim Einkaufen auf das Einwegplastik zu verzichten.

Bildquelle: flickr.com Urheber: Sykes Cottages CC BY 2.0

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