Wie sinnvoll ist eine allgemeine Dienstpflicht?

Schule fertig. Erstmal chillen. Oder? In Deutschland wird über Wehrpflicht und allgemeine Dienstpflicht diskutiert.

Die CDU redet über eine allgemeine Dienstpflicht. Dies würde bedeuten: Nach der Schule müssen alle ein Jahr einen sozialen Dienst leisten. Wer nicht zum Bund will, kann in sozialen Einrichtungen oder der Entwicklungszusammenarbeit seine Pflicht tun. Das ist nicht ganz neu: Bis 2011 musste wegen der Wehrpflicht grundsätzlich jeder junge Mann zur Bundeswehr. Den Zivildienst, die Alternative für alle, die nicht zur Armee wollten oder konnten, gibt es seit 2011 auch nicht mehr. Eine große Neuerung könnte sein: Alle heißt auch wirklich alle. Es werden also nicht nur Männer in die Pflicht genommen.

Warum fordert unter anderem die Junge Union jetzt eine Wiedereinführung? Sowohl bei Wehrpflicht als auch bei gesellschaftlichem Pflichtdienst werden vor allem zwei Argumente genannt: Der Dienst hilft denen, die ihn leisten, und der Gesellschaft insgesamt.

Wer dient hier eigentlich wem?

Junge Menschen, die in Einrichtungen oder der Bundeswehr Arbeit leisten, sollen wichtige Erfahrungen und Kompetenzen gewinnen. Es geht um besseres Verständnis für Mitmenschen, Einfühlungsvermögen, Bewusstsein sozialer Zusammenhänge, aber auch Disziplin, Eigenständigkeit und Orientierung bei Berufs- und Studienwahl. Funktioniert das? Es gibt Studien, die bei Freiwilligendiensten so eine Wirkung bestätigen.

Also schwer von der Hand zu weisen, dass so ein Dienst wertvoll sein kann. Auch für die Gesellschaft? Fest steht: Es gibt zu wenige Pflegekräfte, und auch andere soziale Einrichtungen suchen händeringend nach Unterstützung. Passt also. Ungefähr. Denn hier werden auch gut ausgebildete Fachkräfte gesucht. Da helfen neue Zivildienstleistende also nur zum Teil.

Ein anderes Thema ist die Bundeswehr. Hier wird mit Bezug auf eine angespannte Weltlage gefordert: Deutschland braucht mehr Soldaten, um die Landesgrenzen zu sichern. Im Deutschlandfunk bezieht sich CDU-Bundestagsabgeordneter Patrick Sensburg auf die Annexion der Krim durch Russland und die neue Position der USA unter Trump. Wer sich damit weiter auseinandersetzen will, wird bei der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) fündig. Aber unabhängig davon (und trotz extra Webserie) fehlen der Bundeswehr die Rekruten.

Ähnlich wie bei sozialen Einrichtungen sucht die Bundeswehr aber auch professionelle Arbeitskräfte. Der Zusammenhang zwischen mehr Wehrdienstleistenden und mehr Sicherheit ist also nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Du darfst. Nein, Du musst!

Viel geredet, die Frage bleibt: Sollte man junge Menschen dazu verpflichten, nach der Schule ein Jahr lang zur Bundeswehr oder in eine soziale Einrichtung zu gehen?

Das Grundgesetz sagt dazu: Nein. Eigentlich. Zwangsarbeit ist verboten. Die Wehrpflicht war erlaubt, weil es für die Landesverteidigung notwendig war. Aber nicht jeder darf oder will zur Bundeswehr. Es gibt körperliche Anforderungen genauso wie geistige. Und auch die politische Einstellung soll beachtet werden. Weiterhin darf der Dienst verweigert werden. Deswegen gab es den Zivildienst als Alternative.

Bei der Abschaffung stand aber weniger die Landesverteidigung im Mittelpunkt, als die Wehrgerechtigkeit und die Kosten. Zwar gab es eine Neuausrichtung zur Freiwilligenarmee und einen stärkeren Fokus auf Auslandseinsätze. Zusätzlich war die Bundeswehr zu teuer.

Besonders schwer war jedoch die Kritik an der fehlenden Wehrgerechtigkeit: Nur ein Bruchteil der Wehrfähigen ging tatsächlich zum Bund. Die Last war also sehr ungleich verteilt und die Bevölkerung in der Armee nicht angemessen repräsentiert. Ob und unter welchen Umständen eine Wiedereinführung möglich wäre, ist nicht ganz klar.

Umfragen sagen: Eine Mehrheit der Deutschen wäre für einen allgemeinen verpflichtenden Dienst, so die Ergebnisse des ZDF-Politbarometers sowie die einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Funke Mediengruppe.

Moment mal. Stand da oben nicht was von Freiwilligendienst? Genau. Das ist es nämlich, was wir zurzeit haben. Nach der Schule besteht die Möglichkeit, zur Bundeswehr zu gehen, oder an einem der verschiedenen Bundesfreiwilligendienste teilzunehmen.

Die Vorteile sind die gleichen wie bei einem möglichen Pflichtdienst: Gut für die, die es machen, und gut für die Gesellschaft. Nur das keiner dazu gezwungen wird. Andererseits machen auch nicht so viele mit, wie sich Bundeswehr und Einrichtungen wünschen würden.

Grund genug, sich an der Diskussion zu beteiligen!

Wie stehst Du zur allgemeinen Dienstpflicht?

 

Mehr zu Freiwilligendiensten findest Du auf dem Blog, zum Beispiel hier, hier und hier.

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