Minimalismus und Nachhaltigkeit

Wie geht ihr mit Neuanschaffungen um und wie sieht es bei euch mit materiellem Besitz aus? Carlos regt dazu an, nicht nur nachhaltig einzukaufen, sondern auch minimalistischer an Konsum und Besitz heranzugehen.


Minimalismus ist ein Lifestyle, der nach und nach an Bedeutung gewinnt. Die moderne Gesellschaft ist aktuell sehr stark von den Werten Konsum, Besitz und Leistung getrieben. Wer sich nicht daran orientiert, gehört zu den Außenseitern. Das führt jedoch in vielen Fällen zu einem Überhang an Besitz, einer besorgniserregenden Ressourcenverschwendung und am Ende des Tages zu Stress.

Ein minimalistischer Lebensstil stellt sich gegen die Priorisierung von Konsum. Im Vordergrund steht die Reduzierung auf das Wesentliche. Das heißt nicht, dass man von heute an im Campervan leben muss. Es geht im Prinzip darum sich Schritt-für-Schritt Freiräume zu schaffen, die einem helfen sich weniger auf das „Haben“ und mehr auf das „Sein“ zu fokussieren. Wir müssen aufhören uns ständig zu vergleichen und mehr im Einklang mit uns selbst sein. Machen wir den Job, den wir lieben? Sind wir zufrieden mit unserem Freundeskreis? Brauche ich alle Gegenstände, die ich zu Hause habe?

Ein toller Film, der das Thema behandelt, ist „100 Dinge“ mit Florian David Fitz und Matthias Schweighöfer. Schaut ihn euch definitiv mal an und lasst euch ein wenig inspirieren.

Glück zu empfinden ist in der dynamischen, wettbewerbsorientierten Welt, in der wir leben, bei vielen abhängig davon, wie sie in Relation zu anderen dastehen. Das eigene Haus ist am Ende des Tages weniger wert, wenn der Kollege ein deutlich moderneres Haus gekauft hat. Diese Denkweise spiegelt sich in zahlreichen Lebensbereichen wieder. Die Auswirkungen auf unsere Umwelt werden dabei konsequent unterschätzt bzw. ignoriert.

Warum nachhaltiges Leben so wichtig ist

Nachhaltigkeit ist längst kein Trend mehr. Die globale Erderwärmung, der CO2-Austoß sowie die steigende Plastikverschwendung sind alarmierende Entwicklungen, die wir am Ende des Tages mit unserem Verhalten steuern. Unser Fleischkonsum führt nicht nur zu einer unglaublichen Wasserverschwendung, sondern gehört zu den größten Einflussfaktoren auf die steigende Erderwärmung. Der anhaltende Konsumwahn, „Fast Fashion“ und Plastiknutzung tragen ebenfalls dazu bei und sorgen für einen großen Teil der weltweiten Umweltverschmutzung. Die Ozeane werden mit dem Plastik überflutet, was nicht nur einzelne Tiere gefährdet, wie es Politiker gerne darstellen – sondern ganze Ökosysteme.

Dokumentationen wie „Taste the Waste“ (Lebensmittelverschwendung) oder „A Plastic Ocean“ (Plastikverschwendung) haben schon zu einem kleinen Umdenken geführt und auch die Bewegung rund um Greta Thunberg hat Millionen Menschen weltweit inspiriert. Es tut sich etwas, wir können alle unseren Beitrag dazu leisten.

Wie wir mit einem minimalistischen Konsum die Umwelt schützen können

Die Zusammenhänge werden leider noch von zu wenigen Menschen verstanden und ernst genommen. Wir alle wollen im Supermarkt Geld sparen, verzichten auf Bio-Produkte, regionale Lebensmittel und laufen an Secondhand-Läden vorbei – dabei sind die Kosten für die Umwelt deutlich höher als die paar Euro mehr im Monat für „bewussten“ Konsum.

Ein weiterer Faktor ist das Thema Autobesitz. Viele Menschen wollen ein Auto ihr Eigentum nennen. Während das für eine kleine Mehrheit Sinn macht (man hat Kinder, eine lange Anfahrtsstrecke oder schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr), ist es für andere eine reine „Statusentscheidung“. Dabei brauchen sie die Autos nicht wirklich. Der öffentliche Nahverkehr ist gerade in Großstädten so gut ausgebaut, dass der private PKW-Besitz obsolet wird. Wer mal Lust auf eine Autofahrt hat, kann sich über Sharing-Plattformen (oder Carsharing-Apps) einfach ein Auto mieten und muss sich kein neues anschaffen.

Durch das Teilen bestehender Ressourcen (Autos, Klamotten etc.) bleibt alles in einem Kreislauf. Das führt dazu, dass die Umweltbelastung aus der Neuproduktion sinkt. Im Bereich Ernährung ist es logischerweise nicht möglich, benutzte Lebensmittel zu essen, aber man kann durch eine bewusste Reduzierung des eigenen Fleischkonsums und auf den Wechsel hin zu unverpackten Lebensmitteln einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Einbußen in Sachen Lebensqualität muss niemand befürchten – ganz im Gegenteil. Ein minimalistischer Lebensstil hat sogar sehr positive Auswirkungen auf unsere Gesundheit.

Nicht nur die Umwelt, sondern auch die Geldbörse freut sich

Wer minimalistisch lebt, wird auch weniger Geld ausgeben. Oft bekommt man das Gegenteil erzählt, da höherwertige Produkte grundsätzlich teurer sind. Das stimmt nur beschränkt, denn Minimalist*innen konsumieren dafür deutlich seltener.

Wer beispielweise auf hochwertige Mode setzt, wird im Normallfall deutlich mehr zahlen als die Leute, die ihre Kleidung bei C&A oder H&M kaufen. Wer ein T-Shirt für 4,99 Euro kauft, hat deutlich weniger Probleme damit, dieses nach ein paar Monaten wegzuwerfen, wenn es nicht mehr zum aktuellen Modetrend passt. Wer mehr ausgibt und bewusster einkauft, wird dem psychologischen Effekt nicht (unbedingt) unterliegen. Deutsche geben im Durchschnitt 108 Euro pro Monat für Kleidung aus, im Jahr ca. 1.300 Euro – das sind extrem hohe Zahlen.

Neben hochwertigen Bio-Klamotten, kannst du auch einfach im Secondhand-Laden vorbeischauen. Dort findet sich meistens Kleidung in sehr gutem Zustand, die ansonsten den Weg in den Müll findet. Diese Klamotten im Kreislauf zu behalten ist jedoch unglaublich wichtig, da wir so den Bedarf an neuen Produkten senken. Außerdem sind die Preise in diesen Läden sehr niedrig und du sparst fleißig Geld.

Apropos Geld: Wer einen großen Bogen um sinnlose Dinge macht, hat mehr Geld für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Du hast beispielsweise weniger Kosten, wenn du auf ein schickes Auto verzichtest und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel setzt (Anschaffungskosten, Spritkosten und KfZ-Versicherung entfallen). Außerdem kannst du einfach mal zu Hause ausmisten. Lauf mal durch deine Wohnung, Keller und Dachboden und frag dich bei allen Gegenständen, ob du sie zum Glücklichsein wirklich brauchst. Falls nicht, verkaufe sie einfach auf dem Flohmarkt und spare das Geld für wichtigere Dinge. Du wirst zudem merken, wie sehr dich das „Ausmisten“ psychologisch entlastet.

Minimalismus und Nachhaltigkeit sollte man nicht getrennt betrachten. Minimalisten agieren automatisch nachhaltiger, als diejenigen, die „normal“ konsumieren.

Fazit

Ein minimalistischer Lebensstil bedeutet kein Abstieg. Sondern vielmehr ein Aufstieg in ein Leben, das dir mehr Fokus auf dich selbst und deine Umwelt ermöglicht. Unsere Welt steht vor großen Herausforderungen und nur gemeinsam können wir diese bestehen. Jeder kann mit seinen Handlungen einen Beitrag leisten.

Wen die „sozialen“ Argumente nicht überzeugen, sollte sich der finanziellen Aspekte bewusst werden. Minimalismus senkt deine Kosten und verschafft dir große Freiräume für die Dinge im Leben, die du zum Glücklichsein brauchst.


Danke an Carlos für diese Anregungen!
Carlos ist Co-Founder von Beyond Saving, wo es eine große Auswahl an Wissen und Tools gibt, die euch helfen können, eure Finanzen ganz entspannt in den Griff zu bekommen.

Beachtet zum Thema Minimalismus auch die z. B. hier diskutierten Tweets zu der 2016 auf Twitter gestellten Frage „What’s considered trashy if you’re poor, but classy if you’re rich?“.

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