Kinderarbeit und was wir damit zu tun haben

Weltweit können 152 Millionen Kinder nicht oder nur unregelmäßig zur Schule gehen, da sie Geld für ihre Familie mitverdienen müssen (Trans Fair e.V.). Wir möchten euch mithilfe verschiedener Quellen erklären, wie verbreitet Kinderarbeit aktuell auf der Welt ist und wie viel Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt gibt es in den letzten Jahren weniger Kinderarbeit. 2000 waren noch 264 Mio. Kinder davon betroffen. Jedoch wurde in den nachhaltigen Entwicklungszielen erstrebt, bis 2025 Kinderarbeit weitgehend eingedämmt zu haben, was aktuell aber nicht wahrscheinlich erscheint. Zwar sinken die Zahlen in Lateinamerika und Asien, in manchen Teilen Afrikas jedoch sind aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Lage und bewaffneten Konflikten die Zahlen wieder angestiegen (Unicef)

Durch Corona könnte die Zahl der Kinder in Kinderarbeit nun generell wieder steigen, da Schulen geschlossen sind, manche Erntehelfer*innen ausfallen und kurzfristig Ersatz benötigt wird oder weil Kinder für erkrankte Familienmitglieder einspringen (Trans Fair e.V.).  

Was ist eigentlich Kinderarbeit?

Es ist nicht grundsätzlich verboten, dass Kinder arbeiten. Verboten ist jedoch, wenn diese Arbeit sie davon abhält, zur Schule zu gehen, sie unter schlechten und ausbeuterischen Bedingungen stattfindet und ihrer körperlichen und seelische Entwicklung schadet (Make Chocolate Fair).

Rund 1/3 der arbeitenden Kinder gehen gar nicht zur Schule, viele derer, die es doch tun, brechen die Schule vorzeitig ab. Das verringert ihre Chancen auf ein finanziell sorgloseres Leben in der Zukunft (Unicef)

Was haben wir damit zu tun? Das Beispiel Schokolade

Auf den ersten Blick mag man vielleicht denken, dass Kinderarbeit etwas ist, das „weit entfernt“ passiert und nichts direkt mit uns zu tun hat. Doch das stimmt so nicht.

Die Produkte, die es bei uns im Supermarkt zu kaufen gibt, tragen teilweise maßgeblich dazu bei, Kinderarbeit zu befördern. Ein häufig verwendetes Beispiel ist Schokolade. Sie wird aus Kakaobohnen hergestellt, die in Ländern des Globalen Südens geerntet werden. Hauptlieferanten sind die Elfenbeinküste und Ghana (70% des weltweiten Kakaoanbaus), aber auch südamerikanische Länder wie Peru und Ecuador oder asiatische Länder wie Indonesien haben einen Anteil am Kakaomarkt (Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie e.V. ).

In den Ländern Westafrikas, die die größten Kakaoproduzenten darstellen, arbeiten ca. 2 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen (Make Chocolate Fair). Einige Organisationen versuchen, dem entgegenzuwirken und auch für andere Kakaoernter*innen gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne zu gewährleisten. Doch dazu müsste die Nachfrage nach fair gehandeltem Kakao steigen. Dieses Video des Inkota Netzwerks macht auf makabere Weise auf das Thema aufmerksam.  

Eine andere Option, um das Problem anzugehen, die auch in dem Video thematisiert wird, ist ein Europäisches Lieferkettengesetz. Unternehmen, die den Kakao bei uns weiterverarbeiten zum Endprodukt Schokolade müssten laut diesem Gesetz all ihre Lieferanten publik machen und sich aktiv dafür einsetzen, dass diese sich an soziale und ökologische Standards halten. Würde sich dann herausstellen, dass einer der Lieferanten Kinderarbeit unterstützt oder generell Arbeit unter unfairen Bedingungen fördert, so müsste das Unternehmen Konsequenzen daraus ziehen. Bisher sind die Lieferanten der meisten Schokoladenhersteller unbekannt. Mit dem Gesetz würden sich nicht nur einzelne Unternehmen für faire Arbeitsbedingungen einsetzen, sondern alle, denn sie wären dafür mitverantwortlich und verpflichtet. Hier erklären wir euch nochmal ausführlicher, wieso ein Liefergesetz sinnvoll ist.

Andere Beispiele

Doch nicht nur in der Kakaoernte werden Kinder unter schlechten Bedingungen ihrer Kindheit beraubt. Fast die Hälfte der Kinder in Kinderarbeit leiden unter gefährlichen Bedingungen. Dazu gehört z.B. die Arbeit in Goldminen in Burkina Faso, Textilarbeit in Bangladesh oder Farmen in Lateinamerika Die meisten Kinder arbeiten in der Landwirtschaft (70,9 Prozent), in der Industrie (11,9 Prozent) und als Hilfskräfte im Dienstleistungsbereich (17,2 Prozent) (Unicef).

Viele der in Kinderarbeit produzierten Waren landen am Ende in unseren Haushalten. Wir sollten also darauf achten, Produkte zu kaufen, die unter fairen Bedingungen produziert wurden. Außerdem können wir von der Politik fordern, dass Unternehmen mehr in die Verantwortung gezogen werden müssen, beispielsweise durch das Liefergesetz. Auch Organisationen zu unterstützen, die sich gegen Kinderarbeit einsetzen, hilft. Die Welt ist auf einem guten Weg, Kinderarbeit zu bekämpfen. Aber zu Ende gegangen ist dieser noch lange nicht.   

 

Das Beitragsbild „Guatemala Action!Kidz“ stammt von Malte Pfau (Kindernothilfe) aus dem Jahr 2018.

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