Aus der ganzen Welt nach Deutschland! Incoming Schulprojekt – ein Erfahrungsbericht

Heute berichtet Babette vom Incoming Schulprojekt des SCI, an dem sie als Campleiterin teilgenommen hat.


Es ist ein ungewöhnlicher Schultag für die Zehntklässler*innen der Lise-Meitner-Gesamtschule in Köln. Statt Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaften stehen heute Kritischer Konsum, globale Machtgefälle und die Auswirkungen des Klimawandels in Südostasien auf dem Stundenplan. Statt von ihren Klassenlehrer*innen lernen sie von Freiwilligen aus Asien, Afrika und Südamerika. Statt Benotung und Frontalunterricht stehen Diskussionen in Kleingruppen und Lernmethoden mit viel Bewegung im Vordergrund.

Beim Incoming-Schulprojekt des Service Civil International-Deutscher Zweig e.V. (SCI) trafen sich vom sechsten September bis zum fünften Oktober 2017 zwanzig Freiwillige aus zehn Ländern in Köln. Die Teilnehmenden kamen aus Botswana, Deutschland, Ecuador, Indien, Indonesien, Kenia, Malaysia, Tansania, Togo und Vietnam und sind alle in SCI-Zweigen oder Partnerorganisationen des SCI aktiv. Unter dem Motto „As if there was (no) tomorrow“ konzipierten sie gemeinsam Workshops rund um die Themen Nachhaltigkeit und Entwicklung. Diese Workshops führten sie anschließend an sieben Schulen im Raum Köln/Bonn mit Schüler*innen zwischen 15 und 18 durch. Ich war als Campleiterin dabei und begleitete die Gruppe die gesamte Zeit über.

Was ist ein Incoming Schulprojekt?

Zweck des Incoming Schulprojekts ist, einen Austausch von aktiven Freiwilligen aus dem globalen Süden untereinander und mit deutschen Schüler*innen und Freiwilligen zu ermöglichen. Dadurch sollen Vorurteile abgebaut und Sichtweisen hinterfragt werden. Besonders macht das Projekt der Austausch aus dem globalen Süden in den globalen Norden. Bei Freiwilligendiensten und Workcamps reisen sonst deutlich häufiger Freiwillige aus dem globalen Norden in den globalen Süden und arbeiten dort mit Kindern und Jugendlichen. Das Schulprojekt dreht diese Richtung um. Die deutschen Schüler*innen werden dazu angeregt, ihre Sichtweise zu hinterfragen und für die Auswirkungen ihres Lebensstils in anderen Weltregionen sensibilisiert.

Das Projekt

Das Projekt startete mit einem zehntägigen Training zu den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Unter der Anleitung von zwei Trainerinnen beschäftigten wir uns mit den Fragen, was ein gutes Leben ausmacht und inwiefern ein gutes Leben für alle möglich ist. Wir hinterfragten die einzelnen Unterziele der Sustainable Development Goals und legten dabei einen Schwerpunkt auf das Thema Nachhaltigkeit. Bei einer konsumkritischen Stadtführung lernten wir Köln und das globale Wirtschaftssystem aus einer anderen Perspektive kennen. In Diskussionsrunden tauschten wir uns über die Auswirkungen des Klimawandels in unseren Heimatländern aus. Planspiele zur globalen Machtverteilung und Dokumentarfilme über Ideen für eine nachhaltigere Welt lieferten neuen Input und Diskussionsstoff. Ein besonderes Highlight war ein eintägiger Theaterworkshop, bei dem wir und die Teilnehmenden unser Selbstbewusstsein für das Präsentieren vor einer Gruppe stärkten und als Team enger zusammenwuchsen.

Nach dem Training erarbeiteten wir in Kleingruppen Workshops für Schulklassen. Jede Gruppe legte dabei ihren eigenen Fokus. Eine beschäftigte sich intensiv mit Konsum und dessen Auswirkungen. In der zweiten Gruppe lag der Fokus auf ökologischer Nachhaltigkeit. Die dritte wählte als Thema globale Ungleichheit und die Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems in den Heimatländern der Freiwilligen.

Dann stand auch schon der erste Schulbesuch an. Auf dem Weg zur Lise-Meitner-Gesamtschule waren wir deshalb alle etwas nervös. Wir würden die Schüler*innen auf unsere Workshops reagieren? Wie sind ihre Englisch-Kenntnisse und wie motiviert werden sie bei den Spielen mitmachen? Doch unsere Sorgen waren unbegründet. Die Schüler*innen waren von Beginn begeistert bei der Sache. Sie machten bei kleinen Rollenspielen und Energizern genau so engagiert mit wie bei Gruppendiskussionen und interaktiven Karten. Mit ein paar kleinen Übersetzungen durch die deutschen Teilnehmer*innen klappte auch die Verständigung auf Englisch gut. Besonders spannend fanden die Schüler*innen den Austausch mit den internationalen Freiwilligen. Sie stellten den Teilnehmenden eine Menge Fragen zu ihrem Alltag und ihren Herkunftsländern. Durch die Antworten konnte das ein oder andere Vorurteil zerstreut werden.

Incoming Schulprojekt – was bringt’s?

Die Arbeit in den Schulen empfand ich persönlich besonders sinnvoll, weil es darum ging Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Hintergründen für Nachhaltigkeit und entwicklungspolitische Themen zu sensibilisieren. Wir erreichten nicht nur sowieso schon weltpolitisch interessierte und engagierte junge Menschen, sondern auch Schüler*innen, die sonst in ihrem Umfeld vielleicht nicht mit entwicklungspolitischen Themen in Berührung kommen.

Am Ende zogen auch die internationalen Freiwilligen eine positive Bilanz aus dem Projekt. In der Evaluation schreibt ein Teilnehmer: „Ich bin sehr glücklich hier zu sein und mich mit Menschen aus verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt auszutauschen“. Eine andere meint: „Ich habe viel gelernt, will viel verändern und bin motiviert, an mehr Projekten teilzunehmen.“


Vielen Dank, liebe Babette! Auch im Jahr 2018 wird das Incoming Schulprojekt vom SCI wieder stattfinden. Dieses Mal unter dem Motto „Let’s talk about Fashion! – Global Perspectives & Challenges“. Und ganz ähnlich funktioniert auch Grenzenlos – Globales Lernen in der beruflichen Bildung.

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