Meine Zeit an der Anmchara International School in Sega, Ghana

Internationale Freiwilligendienste stehen immer wieder in der Kritik: Teilnehmende zahlen teilweise absurd hohe Gebühren, um für wenige Wochen im Ausland ihren Lebenslauf zu „puschen“. Heute haben wir einen Gastbeitrag von Julia Westphal für euch, die euch ein Projekt in Sega, Ghana vorstellen will, das gerade nicht diesem Weg folgt.

Warum willst du auf unserem Blog über die Schule berichten?

Zunächst: Hinter dem Projekt steht keine große Organisation, die mit der Reise der Teilnehmenden das große Geld scheffelt. Als ich letztes Jahr per Zufall auf die Homepage der Schule aufmerksam geworden bin, hatte mich das anfangs auch etwas abgeschreckt, klar. Eine halb professionelle Website, auf der ich nicht automatisch das „Rund-Um-Sorglos-Paket“ angeboten bekomme, wie auf so vielen anderen Seiten.

Ich schrieb trotzdem eine Mail an den Schulleiter. Und bekam überraschend schnell eine Antwort. Und nach ein bisschen „Hin-und-Her“ bekam ich meine Praktikumsbestätigung zugemailt. Dann begann ich mit den Reisevorbereitungen. Ich musste meinen Pass für ein Visum nach Berlin schicken und den Tropenarzt besuchen. Der ständige Kontakt mit dem Schulleiter Godwin Agudey halfen mir sehr bei den Vorbereitungen. 

… und dann bist du hingeflogen.

Ja. Und ich finde es immer schwierig die Zeit in Sega dann in Worte zu fassen. Dafür gibt es ein sehr gutes Video von Jim Carrey, der die Schülerinnen und Schüler an der Schule einige Monate begleitet hat. Ich glaube das Video sagt, wie so oft, mehr als tausend Worte.

Ich sehe viele lachende Gesichter und fröhliche Menschen.

Oh ja. Die Schule ist ein großer Komplex aus Kindergarten, Grundschule, weiterführender Schule und einem sich anschließenden Weiterbildungsinstitut. Zwei Freunde von Godwin wohnen direkt mit auf dem Grundstück, seine Frau kocht jeden Tag für die Kinder, die in den Schlafsälen dauerhaft an der Schule leben. Das Einzugsgebiet der Schule ist relativ groß, weil auf Grund des guten Rufs auch Kinder aus dem Norden des Landes an die Schule kommen. Dadurch ist jeden Tag, auch am Wochenende, sehr viel los.

Aber wichtig finde ich auch an dieser Stelle kein einseitiges Bild zu zeichnen. Viele lachende Gesichter und fröhliche Menschen ja. Aber während meines Aufenthaltes habe ich auch einiges mitbekommen, das mich noch lange geprägt hat. Natürlich haben die Menschen vor Ort ihre ganz eigenen Probleme und Sorgen, nur das die eher sind: Wie finanziere ich die Schulgebühren für mein Kind? Statt: Welchen neuen Laptop kaufe ich?

Wie sah dein Alltag denn vor Ort aus?

In unserer ersten Woche konnten wir leider noch keinen eigenen Unterricht machen, weil Abschlussarbeiten geschrieben wurden und so halfen wir erst nur beim Korrigieren der Klausuren und schauten uns den Unterricht der Lehrkräfte an. Es war sehr interessant zu sehen, wie anders und doch so gleich der Unterricht in Sega funktioniert.

Schön ist, dass die Praktikantinnen und Praktikanten an der Schule sich nach ihren eigenen Interessen und Fähigkeiten einbringen können. Ich habe damals einen Sportwettbewerb organisiert, die Bibliothek neu strukturiert und beim regionalen Förderprogramm unterstützt. Aber was auch immer du kannst, du kannst sicher sein, dass du es in irgendeiner Weise an der Schule einbringen kannst.

… was möchtest du uns noch sagen?

Das Motto „Share the World“ greift auf, dass die Schule – also der Schulleiter Godwin – ständig auf der Suche nach Freiwilligen sind. Hier findest du mehr Informationen zur Schule, auch die Kontaktdaten zum Schulleiter sind dort verlinkt. Wenn du darüber nachdenkst, nach deiner Schulzeit oder während deines Studiums oder in der Lebensphase, in der du dich gerade befindest, eine Zeit im Ausland zu verbringen, würde ich dir diese Schule wirklich ans Herz legen.

Ich bin mir sicher, dass ich mich bei einem Praktikum in Deutschland nicht in dem gleichen Maß weiterentwickelt hätte, wie ich es in Sega habe. Die gesamte Praktikumssituation hat mich sehr stark gefordert, aber mir auch sehr viel zurückgegeben. Ich fühle mich heute noch freier, wenn ich vor einer fremden Klasse stehe und kann Situationen im Klassenzimmer besser einschätzen.

Achja, etwas noch zum Schluss… Nelson Mandela sagte einmal, dass Bildung die stärkste Waffe ist, um die Welt zu verändern. Daran glaube ich. Heute mehr denn je.

Danke!

Mehr Beiträge zu Auslandsaufenthalten findest du auch hier. Wenn auch du selbst einen Beitrag schreiben willst, oder du eine Webseite, ein Projekt, einen Blog, einen Film oder sonst etwas für einen Beitrag vorschlagen willst, immer her damit!

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