Gründe eine Degrowth-Zeitung!

Kennst du das noch aus der Schule, wenn alle die Augen zu machen sollten und die*der Lehrer*in hat eine Geschichte vorgelesen? So was Ähnliches machen wir jetzt. Nur, dass du die Augen offen halten musst, weil du hörst mich ja nicht. Also was ich eigentlich sagen will:

Stell dir vor. Du sitzt mittags beim Frühstück und schlägst die Zeitung auf. Und liest was zum Thema Degrowth. Zu alternativer Produktion. Zu Subsistenzwirtschaft und klimafreundlichem Transport. Wahrscheinlich wieder irgendwas zu Fahrrädern in Holland.

Tolle Geschichte, oder? Ein wahrer Traum? Wie heißt nur diese Zeitung? Naja, der Titel ist streitbar. Steht aber auch noch nicht fest, die Zeitung wird nämlich erst im November 2018 gegründet. Und du kannst mitmachen!

Don’t let your dreams be dreams

Die drei Degrowth-Aktiven Lukas, Friedemann & Felix aus Bremen wollen in Form einer Zeitung mit dem Arbeitstitel „brutal flauschig“ zum deutschsprachigen Diskurs beitragen. Inhaltlich wollen sie Wachstumskritik und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden.

Du hast Erfahrungen im journalistischen Schreiben, Fotografieren, Layouten, im Vertrieb oder sitzt anderweitig auf glühenden Kohlen und möchtest dich einbringen? Dann melde dich an und komm vom 16. bis 18. November 2018 nach Bremen und gründe eine Degrowth-Zeitung!

Neben dem gegenseitigen Kennenlernen soll das Treffen dazu dienen, auf Grundlage des unten stehenden Selbstverständnisses Antworten auf allerlei Fragen zu finden: Welche Themen, Rubriken und Formate? Druck oder digital? Wie verbreiten? Welche Organisationsform? Brutal flauschig oder nicht?

 

Selbstverständnis

brutal flauschig. Deine freundliche Degrowth-Zeitung

brutal. Mit einem emanzipatorischen Verständnis von Degrowth schaffen wir eine kritische Gegenöffentlichkeit: sowohl gegen die gesellschaftlich dominante Wachstumsorientierung der Wirtschaft, als auch gegen Individualisierung von Verantwortung, neoliberale Demagogik und völkisches, nationalistisches und rassistisches Gedankengut innerhalb der „Postwachstumsbewegung”. Die ökologische ist von der sozialen Frage nicht zu trennen. Ökologie muss politisch sein.

Wir verstehen uns als Meinungsmedium. Als Zeitungskollektiv nehmen wir klare Positionen ein und möchten zugleich die Vielfalt der Ansätze und Ideen aufzeigen, zu Wort kommen lassen – aber auch solidarisch kritisieren. Wir machen uns auch selbst auf den Weg in Richtung Degrowth.

flauschig. Wir sind ein basisdemokratisches Redaktionskollektiv, das alle wichtigen Entscheidungen im Konsens trifft. Wir bemühen uns Hierarchien zu reflektieren und abzubauen. Auch unsere eigenen Verstrickungen in Sexismus, Rassismus und andere blöde Machtstrukturen möchten wir immer wieder kritisch reflektieren und reduzieren. Wir suchen Wege, diesem Anspruch in unserer Selbstorganisation und in unserer Zeitung gerecht zu werden. Die Zusammenarbeit ist sicherlich nicht immer flauschig und das ist auch in Ordnung so. Solidarisches Miteinander und Kooperation statt Konkurrenz, Wettbewerb und Selbstoptimierung!

Deine. Als Zeitung verorten wir uns mitten in der Degrowth-Bewegung. Wir wollen einen Raum für Diskussionen schaffen und Menschen, die in der Bewegung aktiv sind, stärken und unterstützen. Wir wollen dir eine Stimme sein. Werbung finden wir richtig doof. Daher sind wir für unsere Arbeit auf unsere Leserinnen und Unterstützerinnen angewiesen. Ihr macht uns möglich. Danke.

freundliche. Bei aller Brutalität sind wir eigentlich ganz nett. Und natürlich flauschig.

Degrowth. Degrowth als Konzept und Bewegung bringt soziale und ökologische Fragen zusammen. Es spitzt die Analyse der Vielfachkrise auf den Unsinn weiteren Wirtschaftswachstums zu. Die Ausrichtung der Wirtschaft auf ewiges Wachstum macht solidarisches Miteinander, die Lebensgrundlagen der Menschen und alles andere Leben auf dem Planeten kaputt.

Degrowth beschreibt den Weg zu einer Gesellschaft jenseits von Produktivismus, Profit- und Wachstumsorientierung, ist aber kein abgeschlossenes Konzept. Unter kapitalistischen Bedingungen wird es eine solche grundlegende Neuorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht geben. Dennoch ist politisches Handeln heute und jetzt wichtig. Auf diesem Weg wollen wir gemeinsam konkrete Utopien entwickeln und verwirklichen. Wir freuen uns auf das, was wir heute noch gar nicht denken können. Als Teil der transnationalen Degrowth-Bewegung setzen wir uns aktiv für globale soziale und ökologische Gerechtigkeit ein: weniger Produktion und Konsum im Globalen Norden, dadurch tatsächliche Selbstbestimmung im Globalen Süden. Entwicklungsdogma, Neoliberalismus, Ökonomisierung, Raubbau an Natur und Menschen – all das gehört überall zurückgedrängt!

Wir fordern die Demokratisierung der Wirtschaft. Das Gute Leben für Alle ist für uns ein politisches Projekt, das untrennbar mit dem Erkämpfen globaler sozialer Gerechtigkeit verbunden ist. Es setzt Selbstbestimmung und Gemeinschaft voraus.

Zeitung. Wir wollen ein tragbares, knickbares Format zum Anfassen sein. So richtig in Print. Wir glauben, dass eine politische Degrowth-Zeitung im deutschsprachigen Raum fehlt und wollen den etablierten Erzählungen von Entwicklung und Fortschritt durch Wirtschaftswachstum etwas entgegensetzen. Dazu zeigen und begleiten wir existierende Projekte und gute Ideen. Indem wir Degrowth als reale politische Praxis betrachten und beschreiben, nehmen wir ihm den Schleier der abstrakten Utopie und werden konkret.

 

Mehr zum Thema Degrowth hier auf dem Blog.

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