6. Februar 2021: Internationaler Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung

Mit dem internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung wird am kommenden Samstag auf die Menschenrechtsverletzungen an Mädchen und Frauen aufmerksam gemacht. Denn die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit über 200 Millionen Mädchen und Frauen beschnitten und 3 Millionen Mädchen jährlich gefährdet sind, Opfer einer Beschneidung zu werden.

Erklärung zu dem Begriff

Die Hilfsorganisation Plan International schreibt zu dem Begriff auf ihrer Homepage folgendes:

Im Rahmen der Programmarbeit und in der Kommunikation mit den Betroffenen verwenden wir, sofern dies von den Mädchen, Frauen und Gemeinden gewünscht wird, den Begriff der „Beschneidung“. Für uns stellt diese Praxis jedoch eine gravierende Menschenrechtsverletzung an Mädchen und Frauen dar, die konsequent bekämpft werden muss. Um das Schweigen über dieses gewaltsame Ritual zu brechen und auf politischer Ebene Unterstützung für die Beendigung dieser Praktik zu finden, sprechen wir in diesem Zusammenhang von „Verstümmelung“.

Denn mit der Beschneidung weiblicher Genitalien, die auch Mädchenbeschneidung oder Frauenbeschneidung genannt wird, sind alle Praktiken gemeint, bei denen weibliche Geschlechtsteile (Klitoris und/oder Schamlippen) teilweise oder ganz entfernt werden. Diese Eingriffe werden an Menschen vom Säuglings- bis ins Erwachsenenalter ausgeführt. Fast immer finden sie vor Beginn oder während der Pubertät statt. Dabei wird die Beschneidung oft ohne Einverständnis, ohne Betäubung und ohne hygienische Maßnahmen durchgeführt. Fast immer ist der Eingriff mit starken Schmerzen verbunden und kann langfristig schwere körperliche und psychische Schäden verursachen. Laut WHO sterben 10 Prozent der Frauen an den direkten Folgen wie Blutvergiftung und Blutverlust. 25 Prozent sterben an langfristigen Folgen wie Infektionen mit Aids und Hepatitis sowie an Komplikationen bei einer Geburt.  

Zu den Hintergründen

Die sogenannte „Female Genital Mutilation“ (FGM, dt.: Genitalverstümmelung) oder das „Female Genital Cutting“ (FGC, dt.: Genitalbeschneidung) wird in 29 Ländern Afrikas, auf der arabischen Halbinsel und in manchen asiatischen Ländern praktiziert. Die Motive der Beschneidung unterscheiden sich hinsichtlich der kulturellen Praktiken in den verschiedenen Ländern. Das Sicherstellen der Jungfräulichkeit, bessere Chancen auf dem Heiratsmarkt oder spirituelle Reinheit sind verbreitete Begründungen für das Ritual. Denn oft herrscht die Vorstellung, nur ein beschnittenes Mädchen sei ein „reines“ Mädchen, das gesellschaftlich akzeptiert ist und verheiratet werden kann. Die damit einhergehende Einschränkung der sexuellen Lust der Frau gilt dabei als ebenfalls reinlicherer Aspekt.

Das Problem der Genitalverstümmelung existiert auch in Deutschland. Nach Schätzungen der Nichtregierungsorganisation „Terres des Femmes“ leben in Deutschland etwa 58.000 betroffene und 13.000 gefährdete Mädchen und Frauen.

Die Bekämpfung

Auf der einen Seite versuchen Menschen- und Frauenrechtsorganisationen durch Aufklärung, Diskussionen und Weiterbildungen in den lokalen Gemeinden über die schweren Folgen der weiblichen Genitalverstümmelung zu informieren. Hier liegt der Fokus auf der Prävention, um die Verbreitung dieser Praktiken zu minimieren und so viele Mädchen wie möglich vor diesem Eingriff zu beschützen.

Auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel den 2014 gegründeten Verein Mahaliya. Die Gründerin Zion Melak, stammt aus Eritrea und kam 1980 nach Deutschland. Das Anliegen des Vereins ist es vor allem betroffene Mädchen und Frauen, die in Deutschland ein neues Leben anfangen, zu unterstützen und zu begleiten. Dabei spielt die Aufklärung darüber, dass diese Tradition hierzulande unter Strafe steht und unter keinen Umständen akzeptiert wird, im Fokus. Denn es handelt sich um eine schwere Menschenrechtsverletzung, die durch nichts zu rechtfertigen ist. Eine kurze Dokumentation über Zion Melak findet ihr hier.

Rechtlich gesehen ist die weibliche Genitalverstümmelung auf dem Papier längst verboten. Nur in Liberia, Somalia, Sierra Leone, Mali und dem Sudan gibt es keine gesetzlichen Regelungen.

Zum Internationalen Tag

Im Februar 2003 organisierte das Inter-African Committee (IAC) in Addis Abeba eine internationale Konferenz unter dem Motto „Null-Toleranz gegenüber weiblicher Genitalverstümmelung“. Ziel war es, die bereits begonnenen Kampagnen gegen weibliche Genitalverstümmelung weiter voran zu bringen und zu beschleunigen. Mit dabei war die damalige First Lady von Nigeria: Stella Obasanjo. Sie war nicht nur First Lady, sondern vor allem eine Aktivistin, die sich für die Rechte von Frauen und Kindern stark machte. Seit dieser Konferenz ist der 6. Februar der Internationale Tag gegen Genitalverstümmelung.

Vielleicht kennt ihr die 1997 erschienene Biografie „Wüstenblume“ von Waris Dirie? Sie erzählt darin von ihrer traumatischen Erfahrung der Beschneidung im Alter von fünf Jahren und ihrer Flucht vor einer Zwangshochzeit aus der somalischen Wüste. Seit 2008 gibt es auch eine Verfilmung des Buches. Waris Dirie kämpft nun seit einigen Jahren als UNO-Sonderbotschafterin gegen die Genitalverstümmelung.

 

– Ronja –


Das Beitragsbild ist von Nadine Shaabana auf Unsplash.

2 Comments
  • Laila
    Posted at 23:06h, 06 Februar Antworten

    Jahrelange Haft für diese schwere grausame Verbrechen wäre hier angebracht. Da gehört hart zugeschlagen um das zu stoppen.

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    Posted at 11:57h, 17 Februar Antworten

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