Nix wie weg! Globales Lernen mit Freiwilligenarbeit im Ausland

Heute haben wir viiiiiele Freiwilligen-Infos für euch: Patricia, Praktikantin bei Wegweiser-Freiwilligenarbeit, hat für euch alles zusammengestellt, was ihr über Freiwilligendienste wissen müsst. Viel Spaß beim Lesen!

Globales Lernen mit Freiwilligenarbeit im Ausland

Der Kern von Globalem Lernen ist, Zusammenhänge in unserer globalisierten Welt sichtbar zu machen. Nicht nur für dich selbst, sondern auch für andere Menschen in deinem Umfeld. Das fällt umso leichter, je mehr deine eigenen Augen von der Welt sehen und je mehr Menschen du aus verschiedenen Regionen kennen lernst.

Freiwilligenarbeit im Ausland, insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern, ist eine sehr gute Möglichkeit genau das zu tun. Denn hier machst du Auslandserfahrungen in einem entwicklungspolitischen Kontext, die dir tiefere Einblicke in das alltägliche Leben und die Kultur von Menschen in anderen Ländern gewähren.

Wenn du dich dabei darauf konzentrieren willst, die Zusammenhänge zwischen den Problemen dieser Menschen und deinem Leben zu Hause besser zu verstehen, haben wir hier ein paar Tipps für dich.

Was mache ich eigentlich bei Freiwilligenarbeit im Ausland?

Du arbeitest bei einem Projekt, das sich aus Ressourcenmangel, Interesse an interkulturellem Austausch oder anderen guten Gründen dafür entschieden hat, Freiwillige aus dem Ausland aufzunehmen. Es kann sich zum Beispiel um ein soziales Projekt handeln, um Bauen und Infrastruktur, um Natur-, Tier- und Umweltschutz.

Für uns bei Wegweiser-Freiwilligenarbeit, dem unabhängigen Portal für flexible Freiwilligenarbeit im Ausland, ist dabei Hauptsinn und -zweck des Einsatzes, dass Freiwillige mit offenen Ohren und Augen lernen, wie sie helfen können – nicht nur vor Ort, sondern vor allem auch nach der Rückkehr ins Heimatland.

Es ist zwar auch wichtig, dass du als Freiwillige*r durch deine Arbeit einen spürbar positiven Beitrag zur Verbesserung der Situation vor Ort leistest. Das ist aber für die meisten jungen Menschen, als relativ unqualifizierte Kräfte, eben nur begrenzt möglich. Solange dein Engagement keine negativen Auswirkungen hat und du es möglichst zu Hause fortsetzt, ist das in Ordnung.

Was lerne ich bei Freiwilligenarbeit im Ausland?

Als Freiwillige*r in einem fremden Land lernst du natürlich erst einmal dieses Land und dessen Leute kennen. Du lernst etwas über ihre Kultur und ihren Lebensstil.

Gleichzeitig lernst du etwas über dich selbst, denn du wirst viele Unterschiede feststellen zwischen den Gewohnheiten und Gepflogenheiten in deinem Gastland und denen, die du von zu Hause kennst. Während du die kulturellen Unterschiede im Alltag navigierst, wirst du aktiv interkulturelle Kommunikation anwenden und mit der Zeit immer besser darin werden.

Im Aufnahme-Projekt arbeitest du mit Einheimischen zusammen und häufig auch für Einheimische aus benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Darüber hinaus hast du idealerweise genug Zeit, um Freundschaften mit Einheimischen zu schließen.

Beides wird dir dabei helfen, die Probleme deiner Gastgeber*innen besser zu verstehen und den Menschen in Europa zu vermitteln, wie unser Verhalten das Leben der Menschen in anderen Ländern beeinflusst sowie aufzuzeigen, wie wir Verantwortung übernehmen können. Es ist wesentlich einfacher sich nach der Rückkehr aus dem Ausland weiterhin für Globales Lernen oder für ein bestimmtes Land zu engagieren, wenn man eine persönliche Verbindung zu den Menschen vor Ort hat.

Wie gelingt mir Globales Lernen während der Freiwilligenarbeit?

Für einen optimalen Lernprozess ist deine Einstellung das wichtigste. Dein Freiwilligen-Einsatz kann noch so gut organisiert, betreut und vorbereitet sein – wenn du nicht offen dafür bist, Neues zu lernen, oder dich nicht bemühst, wirst du einen relativ geringen Lernerfolg haben. Genauso kannst du mit einem eher sparsam organisierten Einsatz sehr gute Erfahrungen machen, wenn du viel Motivation und Engagement aufbringst.

Sei dir von Anfang an darüber bewusst, warum du den Einsatz machst. Wenn du dein Ziel „Lernen wie ich helfen kann“ verinnerlichst und du mit offenem Herzen in das Projekt startest, stehen die Chancen sehr gut, dass du viel mitnehmen wirst und eine positive, bleibende Erfahrung machst.

Versuche dafür wirklich in deinem Gastland anzukommen und ein Stück weit deine Heimat loszulassen. Wenn du jeden Abend ausgiebig mit Freunden und Familie chattest oder telefonierst, kannst du dich nicht richtig auf deinen Aufenthalt konzentrieren.

Globales Lernen mit Social-Media-Pause

Nutze lieber die Gelegenheit neue Freunde zu gewinnen und dich mit den Menschen vor Ort auszutauschen. Natürlich musst du den Kontakt nach Hause nicht komplett abbrechen. Aber ein bisschen Abstand solltest du schon gewinnen – schließlich gibt es so viel zu entdecken! Lass’ dein Smartphone also ruhig mal länger liegen und den Laptop für ein paar Tage ausgeschaltet.

Du kannst dir auch die Freiheit nehmen, mehr mit deinen eigenen Augen ‚zu knipsen‘ als mit der Foto- oder Handykamera. Im Zeitalter von Instagram, Facebook und Twitter haben wir uns sehr daran gewöhnt, unseren Tagesablauf und alles, was wir machen, genau zu dokumentieren und zu teilen.

Dein Einsatz in der Freiwilligenarbeit soll aber eine besondere Erfahrung für dich werden – besonders wenn du ihn unter das Motto „Globales Lernen“ stellst. Um wirklich präsent zu sein und aktiv zu lernen, kannst du nicht immer alles direkt dokumentieren.

Überlege dir gut, wovon du ein Foto machst und schreibe vielleicht lieber abends ein Tagebuch als tagsüber stündlich deinen Facebookstatus zu aktualisieren.

Ein Blog kann auch eine gute Alternative sein und wie ein Tagebuch funktionieren. Hier kann es helfen, wenn du dir feste Zeiten für das Schreiben der Blogposts gibst. So hältst du auch deine Familie zuverlässig auf dem Laufenden.

Wie kann die Auswahl der Freiwilligenorganisation meinen Lernprozess beeinflussen?

Zunächst einmal hast du generell die Wahl zwischen flexibler Freiwilligenarbeit und den geregelten Freiwilligendiensten mit öffentlich geförderten Programmen wie weltwärts, dem Internationalen Jugendfreiwilligendienst oder kulturweit.

Wie der Name schon sagt, bietet flexible Freiwilligenarbeit im Ausland mehr Freiheit, was die Gestaltung deines Einsatzes angeht: Zeitraum, Dauer, Zielland und Projektart kannst du relativ frei wählen. Du kannst dich fast jederzeit anmelden und bekommst mit großer Wahrscheinlichkeit einen Platz, ohne dafür in Wettbewerb mit anderen treten zu müssen. Dafür trägst du alle Kosten, die dabei für die Organisation und das Projekt entstehen, selbst.

Für eine Teilnahme im Rahmen eines geregelten Freiwilligendienstes musst du etwas früher anfangen zu planen. Du bewirbst dich um einen der begehrten Plätze ungefähr ein Jahr vor Reiseantritt. Zeitraum, Dauer, Zielland und Projektart sind bereits festgelegt durch die Entsendeorganisation und die konkrete Stelle, für die du dich bewirbst. Dafür werden diese Programme öffentlich gefördert und du zahlst in der Regel weniger als bei einem privat organisierten Freiwilligen-Einsatz.

Sowohl für Einsätze in der flexiblen Freiwilligenarbeit als auch für geregelte Freiwilligendienste können folgende Aspekte entscheidend für deinen Lernerfolg und deine Erfahrung sein. Bei deiner Auswahl eines Projekts kannst du diese Kriterien berücksichtigen, wenn du besonders auf Globales Lernen achten willst.

Gibt es einen Vorbereitungskurs vor der Abreise?

Bereits vor Reiseantritt solltest du dir die Möglichkeit geben, dich mit deinem Zielland, dessen Kultur und idealerweise auch mit der Ortssprache vertraut zu machen. Im besten Fall bietet die durchführende Freiwilligenorganisation dafür Vorbereitungsseminare an, die zum Beispiel interkulturelle Kommunikation vermitteln. So lernst du schon im Vorfeld, welche Dos und Don’ts es in deinem Zielland gibt und wie du einen Faux-Pas vermeidest.

Im Gegensatz zu geregelten Freiwilligendiensten bieten Organisationen im Rahmen von flexibler Freiwilligenarbeit solche Seminare zur Vorbereitung eines Einsatzes nicht sehr oft an. Während es bei geregelten Freiwilligendiensten sogar pflichtmäßig zum Programm gehören kann, ist es bei flexibler Freiwilligenarbeit häufig höchstens eine Option.

Wenn ein solcher Kurs optional angeboten wird, nutze auf jeden Fall die Chance und mache mit. Wenn nicht, erkundige dich bei der Organisation, welche Materialien du zum Selbststudium bekommen kannst. Oft stellen sie dir zumindest eine kleine Datensammlung zum jeweiligen Land zur Verfügung oder geben dir sogar Zugang zu einer Intranet-Plattform, auf der du dich informieren kannst.

Wie sieht es mit der Einführung bei der Ankunft im Zielland aus?

Auch wenn sie keinen Vorbereitungskurs vor Reiseantritt anbieten, so gibt es bei den meisten Organisationen eine Einführung für die Freiwilligen kurz nach der Ankunft am Einsatzort. Dabei können je nach den Kapazitäten der Organisation unterschiedliche Themen abgedeckt werden.

Frag am besten bei der Organisation nach, wie genau die Einführung vor Ort abläuft und was behandelt wird. Geht es nur darum dich mit der neuen Umgebung vertraut zu machen – also dir die Stadt, die Nachbarschaft und das öffentliche Verkehrsmittelsystem etc. zu zeigen? Oder gibt es zusätzlich eine Einführung in die lokale Sprache und Kultur? Geht es auch darum, wie dein Heimatland mit dem Projekt im Zielland verbunden ist?

Außerdem solltest du klären, ob die Organisation vor Ort eigene Mitarbeiter*innen für die Freiwilligen bereitstellt, an die sie sich mit Fragen und Problemen wenden können, und wie genau diese qualifiziert sind. Idealerweise können sie dir bei interkulturellen Problemen fachgerecht helfen und dich in deinem Lernprozess aktiv fördern.

Kann ich bei einer Gastfamilie wohnen?

Wir finden, dass eine Unterkunft bei einer Gastfamilie Freiwilligen die beste Möglichkeit bietet, ganz in die Kultur des Ziellandes einzutauchen und empfehlen dir dich dafür zu entscheiden, wenn die Organisation diese Option anbietet. Wenn dir die Freiwilligenorganisation diese Möglichkeit nicht geben kann, solltest du dir gut überlegen, wie wichtig dir dieser Aspekt ist. Vielleicht entscheidest du dich für eine andere Organisation, bei der das möglich ist. Oder du nimmst es in Kauf, in einem Hostel oder Volunteer-House zu wohnen, versuchst dafür aber mit mehr Eigeninitiative Kontakt zu Einheimischen aufzunehmen.

Freiwilligenarbeit ist Globales Lernen im praktischen Einsatz

Am Ende liegt es an dir, zu entscheiden, wie wichtig dir alle diese Faktoren sind und wo du bereit bist, eventuell Abstriche zu machen. Wie so oft im Leben ist auch in der Freiwilligenarbeit der 100%ig perfekte Einsatz nur schwer zu finden. Es liegt vielmehr an dir, mit der richtigen Einstellung loszuziehen und so das Beste für deinen Lernprozess rauszuholen. Wie du siehst, kann Freiwilligenarbeit exzellente Voraussetzungen für Globales Lernen bieten und ist in jedem Fall eine bereichernde Erfahrung.

About

Patricia ist Praktikantin bei Wegweiser-Freiwilligenarbeit, einem unabhängigen Portal für sinnvolle und nachhaltige Freiwilligenarbeit im Ausland. Hier gibt es eine Datenbank mit verschiedensten Projekten, ausschließlich von Partnerorganisationen, die sorgfältig ausgesucht und regelmäßig überprüft werden. Hier findest du außerdem einen Ratgeber mit Checkliste, der dir dabei hilft die richtige Organisation für dich zu finden.

 

Fotos mit freundlicher Genehmigung von wegweiser-freiwilligenarbeit.com

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