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Let’s be Nachhaltig

Daria hat keine Lust mehr auf Verschwendung, sharing is caring heißt ihr neues Motto. Hier erzählt sie euch von ihren Eindrücken:

Darf ich mal ganz ehrlich sagen, ich bin genervt? Ich bin genervt von mir selbst, weil ich weiß, wie ich mein Leben so optimal gestalten könnte, dass ich weder mir noch meiner Umwelt einen größeren Schaden zufügen müsste, es aber nicht so konsequent schaffe, wie ich gerne möchte.

Nur einige Beispiele aus meinem ganz normalen Leben, die wahrscheinlich auch viele von euch kennen:

Man geht durch die Stadt, bekommt Durst, kauft sich vielleicht einen Kaffee oder eine Cola – Müll. Man geht in den Supermarkt und versucht sparsam seinen Wocheneinkauf zu tätigen, da springt einem doch gleich das „Super-Spar-Angebot“ ins Auge, kaufe 3 für 2, eigentlich brauche ich nichtmal eine dieser Packungen… Aber, jajaa, das gute Angebot eben – absolut unnötig. In der City – ich brauche ein weißes Shirt – und kaufe: lieber zwei bunte, weil sie günstiger sind und ich komischerweise denke, ich hätte mehr von dem Schrott.

Ihr könnt euch wahrscheinlich denken, den Kaffee habe ich nicht ausgetrunken, das Super-Spar-Angebot schimmelt fröhlich in meinem Kühlschrank vor sich hin und die Shirts sehen schon nach dem ersten Waschen nicht mehr so aus wie sie sollten.

Da mir nicht nur dieses ewige Geldverschwenden mega stinkt, sondern auch meine Unfähigkeit nachhaltig zu leben, da ich mich einfach nicht auf meine Sinne verlasse sondern immer wieder den Werbemonstern zum Opfer falle, habe ich für mich einen Entschluss gefasst: Ich werde Foodsaverin! Und zwar JETZT!

Auf die Initiative Foodsharing e.V. bin ich schon vor einiger Zeit gestoßen. Der Verein besteht aus freiwilligen Mitgliedern, deren Ziel es ist, Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. – Dass ich, um der Verschwendung entgengenzuwirken, ersteinmal bei mir selbst anfangen und meinen Konsum überdenken muss, das war mir schon lange klar. Aber, dass Lebensmittelkonzerne tonnenweise gutes Essen in den Müll werfen und teilweise nicht zu spenden dieser bereit sind, das hätte ich niemals gedacht. Und das schlimme daran: über 90% dieser Entsorgungen der Supermärkte wären vermeidbar! Oftmals haben die Produkte nur einen Schönheitsmakel, in unserer heutigen, perfekten Gesellschaft geht sowas natürlich gar nicht… Bitte keine Gesichtsgrätschen, weder auf der Straße, noch im Supermarktregal. Pfft!

Dass man mit seinen Nachbarn oder Freunden Klamotten, wie auch Lebensmittel oder andere alltägliche Dinge austauscht ist wahrscheinlich für niemanden ungewöhnlich. Beim Foodsharing gibt es darüberhinaus öffentliche Fairteilerstellen in der jeweiligen Stadt. Meistens kleine Regale oder Kühlschränke, die man als Foodsharer befüllen und auch entleeren darf.

Auch auf Facebook oder der eigenen Hompage der Inititative werden von privaten Personen ganze Essenskörbe oder auch nur kleine Fehlkäufe zum verschenken angeboten, um sie vor der Tonne zu retten – eine schöne Idee, fand ich!

Vor meiner ersten richtigen Abholung in einer Bäckerei war ich natürlich neugierig über den gesamten Ablauf der Tour… Beim Treffplatz angekommen löste sich dann aber jegliche Spannung in Luft auf: mit den anderen Freiwilligen war sofort eine Verbindung gefunden und ein Gespräch in Gang gesetzt. Nachdem der Laden für seine Laufkundschaft geschlossen hatte, wurden wir hereingelassen und die nette Dame gab uns all ihre restlichen Backwaren, die sie an diesem Tag leider nicht verkaufen konnte.

Ich habe Brot verschenkt, fairteilt und eingefroren. So viele Menschen habe ich noch nie mit Essen glücklich machen können.

 

Schon nach der zweiten Abholung auf einem Wochenmarkt merkte ich, dass ich nur durch die Lebensmittelrettung so viele tolle Produkte zum Verzehr zur Auswahl und Verschenken hatte, dass ich überhaupt gar keinen Wocheneinkauf machen musste. Also beschloss ich dem Phänomen Foodsharing noch einen draufzusetzen und versuchte so regelmäßig mitzuhelfen, wie es nur ging.

Es war für alle eine Win-Win Situation, die Läden waren ihren „Müll“ los und freuten sich, dass damit noch etwas gutes anzufangen war. Als freiwillige Helferin lernst du jedes Mal tolle, nette Menschen kennen und weißt, dass du anderen einen riesen Gefallen tust, weil viele auf diese Spenden angewiesen sind. Du sparst deinen Geldbeutel und produzierst viel weniger Müll, zudem wurden nicht selten Bioprodukte fairteilt.

Gab es mal drei Kartons Tomaten, wurde prompt ein Rezeptvorschlag für Ketschup dazugelegt. Die Community lebt einfach für ihren Grundgedanken der nachhaltigen Lebensmittelverwertung.

In dieser und der Zeit danach bin ich zusätzlich auf viele weitere Initiativen gestoßen, die lieber teilen statt zu verschwenden. Immer mehr Kleidertauschparties tauchen rund um Großstädte auf, ganze Websites beschäftigen sich mit nachhaltigem Konsum und versuchen der Kaufwut mit Leihangeboten entgegenzuwirken, sogar große Konzerne wie OTTO haben den Trend erkannt und springen auf den Tauschzug auf. Egal ob Waschmaschine, Auto, Billiardtisch oder Essen – getauscht und geteilt wird alles.

Das Fazit meines Experimentes war, dass ich wesentlich bewusster gegessen bzw. auch die Lebensmittel ausgesucht habe. Da du dich in einer Gemeinschaft befindest, denkst du noch einmal mehr darüber nach, ob du dieses Produkt nun zu Hause verwerten wirst oder es lieber dem nächsten Foodsaver da lässt. Das hat auch meine restliche Lebenshaltung beeinflusst, ich habe mein Geld nicht mehr für Unnötigkeiten und Klimasünden rausgeworfen, ich bin offener durch die Welt gegangen, habe mich informiert, wo Lebensmittel, Sachspenden oder andere Hilfe in welcher Form gebraucht oder angeboten werden…

Deshalb habe ich mal eine kleine Liste mit meinen Lieblingsseiten zusammengestellt, vielleicht ist ja auch das ein oder andere für euch dabei:

leihdirwas

kleiderei

Foodsharing e.V.

drivy

mundraub


DS

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